Burnout

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Was ist Burnout?

Definition

Der Begriff Burnout (to burn out = ausbrennen) wird überwiegend in der Laiensprache verwendet und ist in der medizinischen Fachwelt umstritten. Es gibt keine einheitliche Definition für die Erkrankung.

Burnout wird häufig als eine langfristige, arbeitsbedingte Stressreaktion beschrieben, die in der Regel sowohl psychische als auch körperliche Beschwerden verursacht. Das Hauptsymptom ist eine über Monate anhaltende, ausgeprägte Erschöpfung. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, die an sie gestellten Anforderungen zu bewältigen. In vielen Fällen ist ein Burnout das Ergebnis eines Prozesses, der über mehrere Jahre stattgefunden hat und der meist mit Müdigkeit und Stresssymptomen beginnt. Im fortgeschrittenen Stadium entwickelt sich häufig eine Depression.

Burnout ist eine Reaktion auf Stress und stellt keine eigenständige Diagnose dar. In der neuen Version des internationalen Klassifikationssystems der Krankheiten (ICD-11) ist jedoch eine eigene Diagnoseziffer für Burnout vorgesehen. 

Symptome

Burnout ist eine ausgeprägte, in der Regel über Monate anhaltende Erschöpfung aufgrund von beruflicher Überlastung. Zur Beschreibung eines Burnouts gibt es drei zentrale Begriffe:

  1. emotionale Erschöpfung
  2. emotionale Distanzierung, Depersonalisierung
  3. verringertes persönliches Leistungsvermögen

Weitere typische Merkmale können sein:

  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Druckgefühl in der Brust, Herzrasen oder Schwindel
  • verändertes Schlafmuster: mehr oder weniger Schlaf als sonst
  • veränderter Appetit
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Bluthochdruck
  • Entfremdung von Arbeitsaktivitäten
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Verlust der Freude an der Arbeit: negative Einstellung gegenüber der ausgeübten Arbeit, dem Arbeitsplatz und den Kollegen
  • Gereiztheit, Nervosität
  • Vernachlässigung von Freizeitaktivitäten

Ursachen

Bei der Entstehung von Burnout wirken persönliche, arbeitsbedingte und gesellschaftliche Faktoren zusammen. Die Beschwerden äußern sich als Reaktion auf chronischen psychischen oder körperlichen Stress. Die Betroffenen verfügen meist nicht über angemessene Strategien zur Stressbewältigung. 

Ursachen oder Risikofaktoren für Burnout sind:

  • Mangelnde Kontrolle; keine Möglichkeit, die Entscheidungen zu beeinflussen, die sich auf Ihre Arbeit auswirken.
  • Leistungs- und Zeitdruck
  • widersprüchliche Arbeitsanweisungen, mangelhafte Rückmeldungen und Zielvorgaben
  • Überforderung oder Unterforderung
  • dysfunktionale Dynamik am Arbeitsplatz (z. B. Mobbing)
  • Konkurrenzdruck
  • Schichtarbeit, lange Arbeitszeiten, wenig Schlaf und wenig Bewegung
  • ungünstige Beleuchtung, Lärm usw. am Arbeitsplatz
  • wenig Anerkennung und Unterstützung von anderen
  • Ungleichgewicht zwischen Arbeit und Freizeit
  • Arbeitsplatzunsicherheit oder Arbeitslosigkeit
  • Ausbildungsdefizite und fehlende Entwicklungsmöglichkeiten

Die Ursachen müssen nicht nur mit arbeitsbedingtem Stress im Zusammenhang stehen, ungünstige Lebensgewohnheiten können sich ebenfalls auswirken. Persönliche Risikofaktoren sind z. B.:

  • Perfektionismus, hohe Ansprüche an sich selbst
  • hohes Engagement
  • geringes Selbstvertrauen
  • geringe Widerstandskraft (Resilienz)
  • Angst vor Kontrollverlust
  • mangelnde Konzentrationsfähigkeit
  • psychische Störungen (z. B. ADHS)

Häufigkeit

Noch gibt es keine einheitliche Definition des Burnout-Syndroms. Daher ist es kaum möglich zu sagen, wie weit das Phänomen verbreitet ist. Laut einer Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland sind 4,2 % im Lauf ihres Lebens von Burnout betroffen. Burnout tritt vor allem im mittleren Lebensalter (30–59 Jahre) auf und Frauen erkranken häufiger als Männer.

Untersuchungen

  • Bisher gibt es kein standardisiertes Vorgehen, um eine Burnout-Diagnose zu stellen.
  • Viele Krankheiten haben Symptome, die an Burnout erinnern können, z. B. Depression oder chronisches Müdigkeitssyndrom. Es ist daher wichtig zu überprüfen, ob es sich nicht um eine andere Erkrankung handelt. 
  • Im ärztlichen Gespräch werden Ihnen Fragen zu Ihren Beschwerden und zur Situation am Arbeitsplatz gestellt. Zusätzlich kann ein Fragebogen verwendet werden, z. B. der Maslach Burnout Inventory.

Behandlung

  • Das Ziel der Therapie ist, die Beschwerden zu reduzieren und die Ursachen des Burnouts zu entschärfen.
  • Bislang fehlen jedoch aussagekräftige Studien, die die Wirksamkeit der einzelnen Methoden belegen.
  • Ein Schwerpunkt liegt darauf, die Stressverarbeitung zu verbessern. Dies kann z. B. im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie erfolgen.
  • Auch Coaching, Selbsthilfegruppen und ggf. Physiotherapie können hilfreich sein.
  • In Absprache mit Arbeitgeber*innen und ggf. Betriebsrat oder Arbeitsschutzbeauftragten wird versucht, arbeitsplatzbezogene Stressoren zu reduzieren.
  • Bei schwerem Burnout oder einer festgefahrenen Situation am Arbeitsplatz kann eine mehrmonatige Auszeit hilfreich sein, evtl. in Kombination mit einer stationären Rehabilitationsmaßnahme. Der Wiedereinstieg sollte behutsam erfolgen, evtl. ist eine vorübergehende Teilzeitarbeit sinnvoll.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Burnout. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  3. American Psychiatric Association. Diagnostisches und Statistisches Manual Psychischer Störungen DSM-5®. Deutsche Ausgabe herausgegeben von Falkai P und Wittchen HU. Mitherausgegeben von Döpfner M, Gaebel W, Maier W et al. Göttingen: Hogrefe 2018.
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  5. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). ICD-11 in Deutsch – Entwurfsfassung. Stand Januar 2023 www.bfarm.de
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  7. Maske UE, Riedel-Heller SG, Seiffert I, et al. Häufigkeit und psychiatrische Komorbiditäten von selbstberichtetem diagnostiziertem Burnout-Syndrom. Ergebnisse der bevölkerungsrepräsentativen „Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1)“. Psychiat Prax 2016; 43: 18-24. DOI: 10.1055/s-0034-1387201 DOI
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  10. Deutsche Rentenversicherung. Informationen zur stufenweisen Wiedereingliederung für Ärzte und Sozialarbeiter der Rehabilitationseinrichtungen. Stand 11.09.2017 www.deutsche-rentenversicherung.de
  11. Freudenberger H, North G: Burnout bei Frauen. Frankfurt am Main: Krüger, 1992
  12. Glise K, Ahlborg G, Jr, Jonsdottir IH. Prevalence and course of somatic symptoms in patients with stress-related exhaustion: does sex or age matter. BMC psychiatry 2014; 14: 118. PMID: 22409935 PubMed
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