Anisakiasis (Heringswurmkrankheit)

Anisakiasis (Heringswurmkrankheit)

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Was ist Anisakiasis?

Definition

Die Heringswurmkrankheit (Anisakiasis) wird durch eine Infektion mit Larven von Würmern der Gattung Anisakis oder Pseudoterranova hervorgerufen und tritt in Deutschland selten auf. Menschen können sich durch den Verzehr von rohen infizierten Meeresfischen (z. B. Hering, Makrele) anstecken.

Symptome

Nach dem Verzehr von rohem Fisch treten Beschwerden auf. Nach 1–8 Stunden kann es zu Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen kommen. Auch leichtes Fieber kann vorkommen. Seltener treten 5–7 Tage nach dem Verzehr starke Bauchschmerzen mit ggf. blutigem Durchfall auf.

In bis zu 40 % der Fälle kommt es zu einer allergischen Reaktion. Unmittelbar nach dem Verzehr können Juckreiz und Kribbeln im Rachen auftreten. Aber auch allergische Symptome wie Hautausschlag (Urtikaria) bis hin zum allergischen Schock sind möglich.

Ursachen

Meeresfische sind häufig mit Anisakis infiziert, dabei sind bis zu 70 % der Heringe befallen (daher der Name Heringswurm). Übertragen werden die Parasiten über den Kot von Robben oder Walen auf Krustentiere und Fische. Der Mensch nimmt die Larven durch den Verzehr von unzureichend erhitztem Fisch auf. Die Larven nisten sich in der Schleimhaut des Magen-Darm-Traktes ein, sterben aber nach einiger Zeit ab, da der Mensch nicht der natürliche Wirt ist. Dadurch wird eine Entzündungsreaktion ausgelöst. Eine Übertragung von Mensch-zu-Mensch findet nicht statt.

Ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht beim Verzehr von rohem Fisch, der nicht tiefgefroren war, oder von unzureichend erhitztem Fisch.

Häufigkeit

Infektionen des Menschen treten besonders in Ländern auf, in denen häufig roher Fisch verzehrt wird (z. B. in Japan, Holland).

Falls die Beliebtheit von Sushi weiter zunimmt, könnte die Erkrankung auch in Deutschland häufiger werden.

Untersuchungen

  • Die Diagnose stützt sich auf die Krankengeschichte.
  • Mit einer Magenspiegelung (Gastroskopie) kann der Parasit ggf. nachgewiesen werden.
  • Wenn der Dünndarm befallen ist, können mittels Computertomografie typische Veränderungen aufgezeigt werden.

Behandlung

  • Derzeit gibt es keine wirksamen Medikamente gegen die Parasiten.
  • Während der Magenspiegelung können die Larven mithilfe einer Zange entfernt werden.
  • Wenn sich der Parasit im unteren Magen-Darm-Trakt befindet und endoskopisch nicht entfernt werden kann, ist eine symptomatische Therapie meist ausreichend, da der Parasit nur wenige Tage im Darmtrakt überlebt.
  • Eine Operation kann notwendig werden, wenn der Parasit in die Darmwand oder in den Bauchraum eingedrungen sind.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Anisakiasis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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