Amputationen

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Was ist eine Amputation?

Definition

Eine Amputation ist der Verlust einer oder mehrerer Gliedmaße. Sie erfolgte entweder chirurgisch, wenn das Leben der Person bedroht oder eine Heilung des Körperteils nicht zu erwarten war. Oder durch eine Unfallfolge. In dieser Patienteninformation geht es um sog. Major-Amputationen, das sind solche, bei denen Teile einer Extremität oberhalb des Knöchels oder des Handgelenks entfernt wurden.

Ursachen

  • Diabetische Fußgeschwüre infolge einer Zuckerkrankheit sind der häufigste Grund für eine Amputation: Durch die Erkrankung sind Nerven und Gefäße vorgeschädigt, und ein Abheilen der Wunden ist oftmals nicht mehr möglich.
  • Durch eine Verletzung oder einen Unfall kann es zu einem direkten Abtrennen von Gliedmaßen kommen, z. B. bei einem Verkehrsunfall oder bei Kriegsverletzungen.
  • Nach einem Unfall können auch Muskeln, Knochen und Bindegewebe so schwer verletzt sein, dass die Gliedmaße nicht erhalten werden können und eine chirurgische Abtrennung nötig ist.
  • Schwere Entzündungen, die auf eine Behandlung durch Antibiotika nicht ansprechen, können eine Amputation nötig machen, um eine Ausbreitung der Bakterien zu verhindern.
  • Bei Krebserkrankungen in Knochen und Weichteilen ist eine Amputation oft wichtig, um den Krebs komplett entfernen zu können. 
  • Erkrankungen der Arterien, wie die periphere arterielle Verschlusskrankheit (Schaufensterkrankheit), können zu einer stark verminderten Blutversorgung der Gliedmaßen führen. Im Endstadium der Krankheit müssen mitunter die nicht mehr ausreichend mit Blut versorgten Gliedmaßen amputiert werden.
  • Ein Sonderfall sind bei Neugeborenen angeborene Amputationen, die durch fruchtschädigende Stoffe oder Abschnürungen verursacht werden. Diese Kinder kommen ohne die betroffenen Gliedmaßen zur Welt (Dysmelie).

Häufigkeit

Etwa 50.000 Füße werden jährlich in Deutschland als Folge einer Diabetes-Erkrankung amputiert. Hinzu kommen einige tausend Amputationen von Armen, Händen und Fingern. Die Zahl der durch Diabetes bedingten Amputationen ist in den letzten Jahren gestiegen, überdurchschnittlich hoch ist sie in sozial schwachen Regionen.

Untersuchung

Eine eingehende ärztliche Beurteilung der Situation ist vor einer möglichen Amputation unerlässlich. Ebenso eine ausführliche Information der Patient*innen. Bei ernsten arteriellen Erkrankungen erfolgt zuvor eine Überweisung an Gefäßchirurg*innen, beim diabetischen Fußsyndrom auch an Wund-/Diabetes-Spezialist*innen. 

Behandlung

Therapieziele

Nach der Amputation sollen Betroffene wieder so weit wie möglich mobil werden und ihren Alltag bewältigen. Bei mobilen und jüngeren Patient*innen wird auch eine Wiedereingliederung ins Arbeitsleben angestrebt, womöglich sogar das Ausüben von Hobbys und Sport verschiedenster Art. Für all das ist meist eine Prothese nötig. Anfangs wird es darum gehen, die Prothese möglichst gut an die Extremität anzupassen, zu lernen, sie eigenständig an- und auszuziehen, einen guten Sitz zu gewährleisten und Schmerzen zu lindern. Nach und nach kann dann die Extremität unter Bewegung belastet werden.

Rehabilitation

  • Sie beginnt in der chirurgischen Abteilung und wird dann in einer Rehabilitationseinrichtung, in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung oder zu Hause mittels ambulanter Therapie fortgesetzt.
  • Wichtig ist auch das Erlernen der Pflege des Amputationsstumpfes. 
  • Hinzukommen können Ergotherapie, Kraft- und Koordinationstraining, Schmerztherapie, Ernährungsberatung und ggf. das Training mit einer provisorischen Prothese.
  • Auch eine psychologische Betreuung kann hilfreich sein.

Prothese

  • Die endgültige Prothese muss sorgfältig angefertigt und individuell an die Stumpffläche angepasst werden, um den bestmöglichen Erfolg zu erzielen. Grundsätzlich gibt es viele verschiedene Prothesen für die unterschiedlichen Einsatzzwecke, von Knie- und Sprunggelenksprothesen über elektrischen Handprothesen bis hin zu Spezialprothesen für schwere Arbeiten oder Sport (z. B. Ruderprothese).
  • Für einen Gipsabguss muss der Stumpf fast oder vollständig abgeheilt und von Haut überzogen sein. Außerdem sollte der Stumpf für etwa 6 Wochen komprimiert worden sein. Dabei helfen oft Kompressionsstrümpfe.
  • Schließlich muss der Umgang mit der Prothese erlernt und die Muskelkraft gestärkt werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei Physio- und Ergotherapeut*innen.

Schmerztherapie

  • Entscheidend ist es, die Entwicklung eines Schmerzgedächtnisses zu verhindern.
  • Wichtig ist dafür eine rasche Versorgung mit einer Prothese. Das verhindert in vielen Fällen, dass sich sog. Phantomschmerzen stark ausprägen. Das sind starke Schmerzen, die in der abgetrennten Gliedmaße wahrgenommen werden (davon zu unterscheiden sind Phantomempfindungen – das Gefühl, das verlorene Körperteil sei weiter vorhanden). Grundsätzlich leiden bis zu 4 von 5 Patient*innen unter Phantomschmerzen.
  • Zur eigentlichen Schmerztherapie kommen verschiedene Medikamente in Betracht: Meist sind es spezielle Präparate für Nervenschmerzen wie Gabapentin, Amitriptylin oder Carbamazepin. Diese wirken nicht sofort, sie müssen erst nach und nach aufdosiert werden. Wenn diese Mittel nicht wirksam genug sind, können auch stärkere, opioidhaltige Schmerzmittel verschrieben werden. Dabei ist eine Aufklärung über die Risiken solcher Medikamente wichtig.
  • Weitere ergänzende Behandlungsmöglichkeiten sind Stimulationen der Nerven (bei hartnäckigen Schmerzen auch eine Rückenmarksstimulation), Verfahren mit virtueller Realität oder Psychotherapie.
  • Phantomschmerzen lindern kann auch die sog. Spiegeltherapie: Dabei sitzt die Patient*in vor einem Spiegel, der parallel zur Körpermitte angeordnet ist und den Blick auf die amputierte Extremität verdeckt. Beim Blick in den Spiegel und bei der Bewegung mit der vorhandenen Gliedmaße entsteht für die Patient*in der Eindruck von zwei intakten Extremitäten. Durch die optische Täuschung werden Hirnareale stimuliert, die für die amputierte Extremität zuständig sind, was zu einer Schmerzminderung führen kann.
  • Mit Phantomschmerzen verwechselt werden oft Stumpfschmerzen. Diese entstehen im noch vorhandenen Körperteil. In dem Fall gilt es die genaue Ursache herauszufinden: Möglicherweise ist der Sitz der Prothese nicht optimal, es hat sich eine Wunde gebildet oder auch Narbengewebe – oder es ist zu einer gutartigen Wucherung von Nervengewebe gekommen (Neurom).  Entweder kann die Ursache behoben werden, oder es wird eine Schmerztherapie eingeleitet.
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