Allergie gegen Insektenstiche
Allergie gegen Insektenstiche
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Was ist eine Allergie gegen Insektengift?
Definition
Auf einen Insektenstich reagieren fast alle Menschen mit Schmerzen, Schwellung und Jucken an der Einstichstelle. Bei manchen lösen Insektenstiche jedoch allergische Reaktionen gegen das Insektengift aus – meist nach einem Stich durch eine Biene oder Wespe.
Die allergische Reaktion kann sich mehr oder weniger ausgedehnt auf das Gewebe rund um die Einstichstelle beschränken. Das wird als gesteigerte Lokalreaktion bezeichnet. Hier sind auch häufig Mücken- oder Bremsenstiche die Ursache.
Bei einigen Menschen treten aber nach dem Stich akute und schwere Überempfindlichkeitsreaktionen des ganzen Körpers auf. Sie werden anaphylaktische Reaktion genannt und sind ein Notfall.
Nach einer schweren allergischen Reaktion sollte eine genaue Diagnostik erfolgen, in deren Rahmen auch Möglichkeiten der Vorbeugung, der langfristigen Behandlung (Hyposensibilisierung) sowie das Verhalten bei einem weiteren Stich besprochen werden.
Symptome
Bei Menschen mit einer Insektengiftallergie kommt es nach dem Stich zu einer übermäßigen Immunreaktion. Diese kann sich an der Einstichstelle (lokal) und/oder durch Beschwerden des ganzen Körpers (systemisch) bemerkbar machen.
Übermäßige lokale Reaktion
- Starke Schwellung (nach einem Mücken-, Bremsen-, Bienen- oder Wespenstich z. B. mehr als 10 cm groß), die über mehrere Tage anhält.
- Milde Allgemeinbeschwerden, z. B. Fieber, können auftreten.
- Manchmal kann es auch zu einer Entzündung der Lymphgefäße kommen, die sich als hellroter Strich äußert, der sich von der Rötung und Schwellung aus ausdehnt. Dies wurde früher fälschlicherweise als „Blutvergiftung“ bezeichnet, ist aber kein Zeichen einer Infektion und bildet sich von selbst zurück.
- Sehr selten kommt es durch örtliche Schwellungen nach einem Stich im Bereich der Luftwege zu einer bedrohlichen Einengung der Atemwege.
Systemische Reaktion
Eine Reaktion des ganzen Körpers ist meist durch einen einzelnen Bienen- oder Wespenstich verursacht. Typische Symptome sind:
- Beginn 10–30 min nach dem Stich (sie kann aber auch früher oder später einsetzen)
- Hautreaktionen: Juckreiz, starke Rötung, Bildung von Quaddeln, starke Schwellung. Die Hautreaktionen können auch fehlen oder schnell vorübergehen.
- Magen-Darm-Beschwerden
- Herz-Kreislauf-Beschwerden
- Atembeschwerden
Die Herz-Kreislauf- und Atembeschwerden können binnen kurzer Zeit stark zunehmen und lebensbedrohlich werden. Dies wird als anaphylaktische Reaktion bezeichnet und ist ein Notfall!
Ursachen
Eine Allergie ist eine Immunreaktion auf Substanzen (Allergene), die bei den meisten Menschen keinerlei Probleme verursachen. Beim ersten Kontakt mit dem Allergen erfolgt eine Sensibilisierung des Immunsystems. Dabei werden Antikörper gebildet, die nach erneutem Kontakt mit dem Allergen die überschießende Immunantwort, also die allergische Reaktion auslösen.
Man unterscheidet verschiedene Typen der allergischen Reaktion. Die stärkste Allergie vom Soforttyp, die den ganzen Körper betreffen und innerhalb von Minuten auftreten kann, wird als anaphylaktische Reaktion (Anaphylaxie) bezeichnet.
Bienen und Wespen
Wespen und Bienen gehören in Europa zu den häufigsten Auslösern für allergische Reaktionen. Selten werden sie von anderen Wespenarten, Feldwespen, Hornissen, Hummeln, Ameisen, Mücken oder Bremsen hervorgerufen.
Bei einem Bienen- oder Wespenstich werden kleine Mengen Insektengift in die Haut abgegeben. Das Immunsystem von Menschen mit einer Insektengiftallergie reagiert übermäßig auf bestimmte Bestandteile des Giftes. Dies kann auf die Einstichstelle begrenzt sein (lokal) oder den ganzen Körper betreffen (systemisch). Es kann zu Kreuzreaktionen kommen, da sich die Gifte von Bienen, Wespen und Hummeln ähneln.
Mücken
Die lokalen allergischen Reaktionen bei einem Mückenstich werden durch Speichelbestandteile ausgelöst, auf die 75 % der Bevölkerung innerhalb kurzer Zeit mit einer Quaddel reagieren. Bei etwa der Hälfte bilden sich etwas später kleine Knötchen (Papeln).
Risikofaktoren
Ein höheres Risiko für eine schwere allergische Reaktion haben Personen,
- die im Alltag häufig mit Wespen/Bienen zu tun haben oder sich viel im Freien aufhalten (Obstverkäufer*innen, Bäckereiverkäufer*innen, Waldarbeiter*innen, Gärtner*innen, Landwirt*innen, Bauarbeiter*innen, LKW-Fahrer*innen).
- die schon einmal eine anaphylaktische Reaktion nach einem Insektenstich hatten.
- mit Asthma oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- die regelmäßig Betablocker (auch Augentropfen), ACE-Hemmer oder bestimmte Schmerzmittel einnehmen.
- bei denen bestimmte Laborwerte erhöht sind (basale Serumtryptasekonzentration, Mastozyten-Zahl).
Häufigkeit
Sehr häufig kommt es zu lokalen Reaktionen nach Mückenstichen. Bis zu 1/4 der Bevölkerung hat verstärkte Symptome an der Einstichstelle nach Bienen- oder Wespenstichen.
Eine Bienen- oder Wespengiftallergie ist bei Erwachsenen in Europa die häufigste Ursache für schwere anaphylaktische Reaktionen, bei Kindern die zweithäufigste. Etwa 1–4 % der Menschen haben im Lauf ihres Lebens eine anaphylaktische Reaktion nach einem Bienen- oder Wespenstich. In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 20 Todesfällen durch Bienen- oder Wespenstiche. Diese Zahl ist möglicherweise höher, weil eine anaphylaktische Reaktion nicht immer erkannt wird.
Untersuchungen
Wesentliche Hinweise ergeben sich bereits durch die Begutachtung der Einstichstelle und beim Arztgespräch, wenn Sie schildern,
- welches Insekt Sie gestochen hat oder wo Sie sich beim Stich aufgehalten haben.
- wie die Reaktion auf den Stich verlaufen ist.
- welche weiteren Symptome aufgetreten sind.
- ob es vorher schon einmal eine übermäßige Reaktion auf einen Insektenstich gab.
Handelt es sich um eine typische lokale Reaktion auf den Insektenstich, so sind keine weiteren Untersuchungen nötig.
Bei Personen mit einer systemischen Reaktion auf Bienen- oder Wespengift können die Reaktionen auf die Insektengifte mit Hauttests untersucht werden (Prick-Test, Intradermaltest). Durch Blutuntersuchungen lassen sich entsprechende Antikörper (IgE) gegen die Gifte oder Bestandteile daraus nachgewiesen. Diese Untersuchungen sollen frühestens 1–2 Wochen nach der Akutreaktion und dann noch einmal nach 4–6 Wochen durchgeführt werden.
Auffällige Testergebnisse bedeuten jedoch nicht automatisch, dass eine Allergie besteht: Bei vielen Menschen finden sich positive Testergebnisse, ohne dass dies eine praktische Bedeutung hat. Eine ausführliche Allergiediagnostik wird deshalb meist nur nach einer anaphylaktischen Reaktion oder bei Personen mit einem hohen Risiko dafür veranlasst.
Behandlung
Das Ziel der Behandlung ist, akute Symptome zu lindern, schwere allergische Reaktionen zu verhindern und langfristig weiteren Vorfällen vorzubeugen.
Die Behandlung hängt von der Intensität der allergischen Reaktion und der Schwere früherer Insektenstiche ab.
Akutbehandlung der Einstichstelle
Bei übermäßigen örtlichen Reaktionen an der Einstichstelle kommen je nach Schwere zum Einsatz:
- Cremes oder Gele mit stark wirksamem Glukokortikoid (z. B. Mometason)
- zusätzlich ggf. ein kühlender feuchter Umschlag
- Allergietabletten (Antihistaminikum, z. B. Cetirizin)
- bei starker Reaktion Glukokortikoid-Tabletten für einige Tage
Schwere systemische Reaktion (Anaphylaxie)
Eine anaphylaktische Reaktion mit Atemnot und Kreislaufproblemen bis zur Bewusstlosigkeit stellt einen lebensbedrohlichen Notfall dar.
- Die wichtigste Sofortbehandlung ist eine Adrenalin-Spritze in den Oberschenkelmuskel.
- Bei Herz-Kreislauf- und Atemproblemen wird Sauerstoff über eine Atemmaske gegeben.
- Zusätzlich können Medikamente verabreicht werden, die die Atemwege erweitern (z. B. Salbutamol).
- Um den Kreislauf zu stabilisieren, kann eine Infusion mit Kochsalz erforderlich sein.
- Bei Kreislaufstillstand erfolgt eine Wiederbelebung.
- Sobald Atmung und Kreislauf wieder stabil sind, werden ein Antihistaminikum und ein Glukokortikoid verabreicht.
Langfristige Vermeidung weiterer Vorfälle
Nach einer anaphylaktischen Reaktion auf einen Insektenstich ist es lebenswichtig, weiteren Vorfällen vorzubeugen:
- Aufklärung zu vorbeugenden Maßnahmen, um einen erneuten Stich zu vermeiden.
- Selbsthilfemaßnahmen bei erneutem Stich: Um eine erneute starke örtliche Reaktion zu lindern, erhalten Sie ein Glukokortikoid und ein Antihistaminikum, das Sie bei Bedarf einnehmen können. Ist es zu einer anaphylaktischen Reaktion gekommen, so bekommen Sie einen Anaphylaxie-Pass und ein Notfallset inkl. Schulung. Das Notfallset enthält eine Adrenalin-Spritze sowie ein Glukokortikoid und ein Antihistaminikum. Dieses sollten Sie – ebenso wie den dazugehörige schriftlichen Anwendungshinweis – immer bei sich tragen.
- Bei Kindern und Erwachsenen mit einer systemischen Sofortreaktion auf Bienen- oder Wespengift kann eine Hyposensibilisierung (allergenspezifische Immuntherapie) durchgeführt werden. Dabei wird Insektengift in nach und nach steigenden Mengen unter die Haut verabreicht, bis die Reaktion auf einen Stich deutlich geringer wird oder ganz ausbleibt. Auch nach Ende der Therapie sind Maßnahmen zur Vermeidung erneuter Stiche und das Mitführen eines persönlichen Notfallsets erforderlich. Bei bis zu 15 % der Patient*innen geht die Schutzwirkung innerhalb von 5–10 Jahren nach Absetzen der Therapie verloren.
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