Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

Vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)

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Was ist ein vorzeitiger Samenerguss (Ejaculatio praecox)?

Definition

Bei vielen Männern kommt es beim Geschlechtsverkehr gelegentlich zu einem schnelleren Samenerguss, als sie es sich selbst oder ihre Partner*innen wünschen. Solange dies nur gelegentlich passiert, besteht kein Grund zur Besorgnis. Das Krankheitsbild Ejaculatio praecox wird definiert als Ejakulation innerhalb der ersten Minute des Geschlechtsverkehrs oder noch vor der Penetration und wenn es zu einem Verlust der willentlichen Ejakulationsverzögerung sowie zu negativen persönlichen Konsequenzen, z. B. Frustration oder dem Vermeiden von sexuellen Kontakten, kommt. Es wird eine primäre und eine sekundäre Form unterschieden:

  • Eine primäre (lebenslange) Form des vorzeitigen Samenergusses liegt vor, wenn dieses Problem von Anfang an mit den ersten sexuellen Aktivitäten auftrat.
  • Bestand früher ein befriedigendes Sexualleben ohne Ejakulationsprobleme und kamen diese erst im Verlauf des Lebens dazu, handelt es sich um die sekundäre (erworbene) Form des vorzeitigen Samenergusses.

Bei einigen Männern ist ein vorzeitiger Samenerguss mit Erektionsstörungen, einer sog. erektilen Dysfunktion, verknüpft.

Symptome

Es gibt in der Regel keine klinischen Befunde, andere Krankheitszeichen fehlen also. Die definierenden Symptome sind die verkürzte Zeit (weniger als 1 Minute) von der Penetration bis zur Ejakulation, der Verlust der willentlichen Ejakulationskontrolle und der persönliche Leidensdruck der Beteiligten. Das Problem kann in allen sexuellen Bereichen auftreten, auch beim Masturbieren. In manchen Fällen kommt es dazu aber nur beim Geschlechtsverkehr.

Ursachen

Es konnten noch keine sicheren Ursachen für einen vorzeitigen Samenerguss gefunden werden. Früher wurde ausschließlich von einer psychischen Ursache ausgegangen. Heute gilt dieses Phänomen als komplizierter, und es wird ein komplexes Zusammenspiel von psychischen, biologischen und neurobiologischen Faktoren angenommen.

Psychologische Ursachen

  • Entwicklungsstörungen, z. B. bei sexuellem Missbrauch
  • Individuelle  Probleme, z. B. negatives eigenes Körperbild oder etablierte Verhaltensmuster
  • Beziehungsprobleme

Biologische Ursachen

  • Eine chronische Prostatitis geht in 26–77 % der Fälle mit einer vorzeitigen Ejakulation einher.
  • Männer, die während des Geschlechtsverkehrs Erektionsstörungen befürchten (z. B. hinsichtlich des Erreichens oder Aufrechterhaltens einer Erektion) können ein Verhaltensmuster entwickeln, das eine schnelle Ejakulation vorsieht. Ein solches Muster lässt sich nur sehr schwer ändern.
  • Bei einigen Männern mit Hyperthyreose kann eine Normalisierung der Schilddrüsenhormone bei der sekundären vorzeitigen Ejakulation die Symptomatik verbessern.

Neurobiologische Ursachen

  • Das Hormon Serotonin verzögert die Ejakulation, sodass Männer mit einer reduzierten Sensitivität der Serotonin-Rezeptoren und/oder niedrigen Serotoninspiegeln möglicherweise häufiger unter einer vorzeitigen Ejakulation leiden. Genetische Unterschiede der Serotonin-Transport-Proteine treten gehäuft bei Patienten mit primärer vorzeitiger Ejakulation auf.

Häufigkeit

Ein vorzeitiger Samenerguss ist die häufigste sexuelle Funktionsstörung von Männern unter 60 Jahren. Es wird geschätzt, dass rund 20–30 % aller Männer davon betroffen sind. Obwohl es sich um ein häufiges Problem handelt, suchen nur 2/3 der Betroffenen ärztliche Hilfe. Bei etwa 2/3 der Fälle handelt es sich um eine primäre vorzeitige Ejakulation, bei 1/3 um die sekundäre Form.

Untersuchungen

  • Die Diagnose ist anhand einer Reihe sehr persönlicher Fragen an sich einfach zu stellen. Erfragt wird die Zeit zwischen Penetration und Ejakulation, ob die Ejakulation hinausgezögert werden kann und ob durch die vorzeitige Ejakulation negative Gefühle wie Frustration oder Verärgerung bestehen.
  • Um zwischen primärer und sekundärer Form zu unterscheiden, wird gefragt, wann die vorzeitige Ejakulation erstmalig auftrat.
  • Ob eine Erektion besteht, die ausreichend für eine Penetration ist, kann Hinweise auf eine erektile Dysfunktion geben.
  • Wichtig ist auch, wie die Sexualpartner*innen damit umgehen und welche Therapieversuche bereits unternommen wurden.
  • In der körperlichen Untersuchung wird der Penis auf anatomische Besonderheiten wie eine Vorhautverengung überprüft.
  • Labortests werden routinemäßig nicht empfohlen. Bei Verdacht auf eine Hyperthyreose können die entsprechenden Hormone bestimmt werden.
  • Wenn Hinweise für eine chronische Prostatitis bestehen, können Fachärzt*innen weitere Untersuchungen wie eine digital-rektale Untersuchung, eine PSA-Bestimmung oder eine transrektale Ultraschalluntersuchung durchführen.

Behandlung

  • Zu den Behandlungsmöglichkeiten zählen Sexualtherapie, Medikamente und Psychotherapie. Bei vielen Menschen funktioniert eine Kombination dieser Behandlungen am besten.
  • Wenn möglich, sollten die Sexualpartner*innen mit einbezogen werden.
  • Es können sexualtherapeutische Übungen wie die Stopp-Start-Technik empfohlen werden.
    • Der Penis wird stimuliert, bis der Mann kurz vor der Ejakulation ist.
    • Dann wird pausiert, bis die Erregung wieder abgeflacht ist.
    • Danach wird die Stimulation wieder aufgenommen.
  • Bei der Squeeze-Technik soll der Patient über ein Sensualitätstraining seine Erregung bewusster wahrnehmen. Danach erlernt er, den Zeitpunkt der ungewollten Ejakulation genauer wahrzunehmen und in einem weiteren Schritt zu beeinflussen. Durch einen mit der Daumenspitze erzeugten Druck im Frenulumbereich, dem Bändchen auf der Rückseite des Penis direkt unterhalb der Eichel, wird der Ejakulationsreflex unterbrochen.
  • Lokalanästhetische Salben setzen die Empfindlichkeit des Penis herab und fördern somit eine verzögerte Ejakulation. Die Salbe ist mindestens 5 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr auf den Penis aufzutragen. Einige Männer, die eine lokalanästhetisch wirksame Salbe verwenden, berichten über Erektionsprobleme und Missempfindungen. Auch einige Frauen berichten von einer verminderten Empfindlichkeit in den Geschlechtsorganen.
  • Ihnen können Tabletten mit dem Wirkstoff Dapoxetin verschrieben werden, die 1–3 Stunden vor dem geplanten Sex eingenommen werden.
  • Tramadol-Tabletten können 2–3 Stunden vor der sexuellen Aktivität eingenommen werden. Sie mindern die Wahrnehmung der Berührungsreize sowie die Wiederaufnahme von Serotonin.
  • Für viele Männer erhöht sich das Risiko für eine vorzeitige Ejakulation, wenn sie sich während des Geschlechtsverkehrs „unter Druck gesetzt“ fühlen.
  • Eine offene Kommunikation und die Bereitschaft, verschiedene Methoden zur Befriedigung sowohl der Betroffenen als auch ihrer Partner*innen auszuprobieren, können dazu beitragen, den Leistungsdruck zu vermindern.
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