Verbrennungen durch Nesselquallen

Verbrennungen durch Nesselquallen

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Was sind Verbrennungen durch Nesselquallen?

Definition

Entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste tritt die gelb-rote Cyanea capillata auf, die meist milde Symptome verursacht.

Bei Kontakt mit Nesselquallen kommt es zur Injektion von Gift in die Haut durch die winzigen Nesseln an den Nesselfäden oder Tentakeln der Qualle.

In tropischen und subtropischen Gewässern gibt es Arten, die lebensbedrohliche Symptome verursachen können.

Symptome

Mögliche Symptome sind:

  • brennende Schmerzen
  • Hautreaktionen (Rötung, Blasenbildung, Hautablösung)
  • Übelkeit und Erbrechen

Einige Minuten nach dem Brennen und dem Taubheitsgefühl der Haut entsteht häufig eine leuchtend rote Schwellung. Der Schmerz lässt oft im Lauf einer halben Stunde nach und wird von Juckreiz gefolgt. Die Schwellung geht gewöhnlich innerhalb weniger Stunden zurück. Auf der Schwellung können Blasen entstehen.

Vor der Heilung können Blutungen unter der Haut auftreten, und bis zu mehreren Wochen oder Monaten können Flecken auf der Haut sichtbar sein.

In seltenen Fällen kann eine schwere allergische Reaktion (anaphylaktischer Schock) auftreten, die umgehend ärztlich behandelt werden muss (Lebensgefahr!). Die Symptome sind u. a.:

  • Atemnot
  • Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Bluthochdruck
  • schneller Puls und Schwindel
  • Bewusstlosigkeit

Die Symptome sind abhängig von der Menge des aufgenommenen Nesselgifts.

Ursachen

Nesselquallen besitzen Nesselzellen (Nematozysten) an ihren Tentakeln. Große Nesselquallen können mehrere Millionen Nesselzellen enthalten. Diese Nesselzellen enthalten kleine Kapseln, die unter Einwirkung von Druck oder chemischen Substanzen Giftstoffe freisetzen und so eine Hautreaktion an der Quallenstichstelle oder eine sog. systemische Reaktion verursachen können, bei der der ganze Körper (z. B. die Atemwege, der Magen-Darm-Trakt, das Herz-Kreislauf-System, das Nervensystem) betroffen sein kann.

Kontakt mit einer Nesselqualle kann im Meer oder am Strand auftreten.

Häufigkeit

Schätzungsweise treten 150 Mio. Fälle von Verbrennungen durch Quellen weltweit pro Jahr auf. Durch den Klimawandel nimmt die Häufigkeit zu.

Untersuchungen

Der Kontakt mit den Tentakeln einer Nesselqualle beim Baden im Meer oder am Strand in Verbindung mit den oben beschriebenen Symptomen lassen auf Verbrennungen durch Nesselquallen schließen.

Wichtig ist, dass eine schwere allergische Reaktion (s. o.) sofort erkannt und umgehend ärztlich behandelt wird.

Behandlung

Sofortmaßnahmen am Strand

  • Ruhe bewahren.
  • Sofort das Wasser verlassen.
  • Am Strand die Nesselfäden entfernen.
  • Auf der Haut klebende Tentakel mit Meerwasser abspülen.
    • Bei Quallenstichen in nichttropischen Gewässern in der Regel mit Meerwasser spülen.
    • Bei Quallenstichen in tropischen Gewässern mit (Haushalts-)Essig spülen und anschließend mit Meerwasser. Süßwasser sollte nicht verwendet werden.
  • Bei Stichen durch die Quallengattung „Portugiesische Galeere" Meerwasserspülung verwenden, kein Essig.
  • Notfalls die betroffenen Stellen mit trockenem Strandsand bestreuen und den angefeuchteten Sand mit einer Karte behutsam abschaben.
  • Die Tentakel nicht mit einem Handtuch abreiben oder mit Süßwasser oder Alkohol abspülen.

Medikamentöse Therapie

  • Lokal betäubende Salben und Cremes (z. B. Xylocain, Lidocain) sowie Schmerzmittel (z. B. Paracetamol) können schmerzlindernd wirken.
  • Bei einer ausgeprägten allergischen Reaktion und Juckreiz können Antihistaminika (Medikamente, die gegen Allergien wirken) und ggf. Prednisolon verschrieben werden.
  • Eine Infektion kann mit Antibiotika behandelt werden.
  • Bei Blasen- und Wundbildung sollte eine Tetanusprophylaxe verabreicht werden.

Weitere Maßnahmen

  • Ein in kaltes Wasser getauchtes Handtuch, das auf die gereizten Hautbereiche gelegt wird, kann den Juckreiz lindern.
  • Haut, die durch die Quallengattung „Portugiesische Galeere“ geschädigt ist: Baden des betroffenen Körperteils in warmem Wasser (45 Grad, 20 min, Einmalbehandlung) kann den Schmerz lindern.
  • Essiglösung bei Kontakt mit tropischen Würfelquallen: (Haushalts-)Essig auftragen und 30 Minuten einwirken lassen, um die Giftstoffe zu inaktivieren (nicht bei Kontakt mit Feuerquallen und der „Portugiesischen Galeere“!).

Autorin

  • Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Verbrennungen durch Nesselquallen. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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