Toxisches Schocksyndrom (TSS)
Toxisches Schocksyndrom (TSS)
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Was ist das toxische Schocksyndrom?
Definition
Das toxische Schocksyndrom (TSS) ist eine schwere Immunreaktion auf Bakteriengift (Toxin). Es wird auch Tamponkrankheit genannt. Dabei erkranken mehrere Organe, meist nach einer Infektion mit Staphylokokken oder Streptokokken. Das TSS verläuft schnell und kann sehr gefährlich werden.
Symptome
Betroffene Personen werden schlagartig schwerkrank: Sie entwickeln hohes Fieber, der Blutdruck fällt ab. Hals-, Kopf- und Muskelschmerzen sind möglich. Oft kommt es zu einem sonnenbrandartigen Hautausschlag (Exanthem) – besonders an den Handflächen und Fußsohlen. Staphylokokken führen manchmal zu einer Ablösung der Haut (Scalded Skin Syndrome).
Praktisch alle Organe können betroffen sein. Weitere mögliche Symptome sind Erbrechen, wässriger Durchfall, Atemnot und eitriger Harn. Bei einer Beteiligung des Gerinnungssystems besteht ein Risiko für Blutungen und Blutgerinnsel, während eine Erkrankung des Nervensystems zu Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit führen kann. Auch Krampfanfälle kommen dann vor. Außerdem kann es zu akutem Nieren- oder Lungenversagen kommen.
Befallenes Muskel- und Fasziengewebe kann sich entzünden (Myositis bzw. Fasziitis) und absterben (Nekrose). Bei einer nekrotisierenden Myositis bzw. nekrotisierenden Fasziitis muss die betroffene Person sofort operiert werden.
Ursachen
Ursache des TSS sind toxinproduzierende Bakterien – meist sind es Streptokokken und Staphylokokken. Ihre Gifte (Exotoxine) aktivieren die T-Zellen des Immunsystems in großer Zahl, was zu einer starken Immunreaktion führt. Die Gifte nennt man auch Superantigene.
Einige Fälle entstehen nach Operationen und durch Wundinfektionen nach der Geburt. Auch Rachenentzündungen, Knochenentzündungen und Brandverletzungen können zum TSS führen. Früher hing die Erkrankung oft mit Tamponbenutzung zusammen.
Zwei Bakterienstämme sind am häufigsten verantwortlich:
- Staphylococcus aureus: Diese Bakterien besiedeln oft unbemerkt den Nasen-Rachen-Raum, die Haut, die Scheide und den Enddarm. Sie sind meist für das menstruationsbedingte TSS verantwortlich. Sie leben außerdem in Wunden. Sie sind der Lage, das Gewebe zu durchdringen, zu zersetzen und das Gift TSST-1 abzugeben (Tocic-Shock-Syndrome-Toxin-1). Über Nahrungsmittel können Staphylokokken eine Lebensmittelvergiftung verursachen.
- A-Streptokokken: Dazu zählen auch die Bakterien, die Scharlach auslösen. Streptokokken können auch bei gesunden Personen auf den Schleimhäuten vorkommen. Auch Streptokokken der Gruppe A geben Gift an ihre Umgebung ab.
Risikofaktoren
Folgende Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung:
- Tamponnutzung
- Gynäkologischer/chirurgischer Eingriff
- Infektion nach der Entbindung
- Invasive (nicht nur die Haut betreffende) Streptokokken-Infektion
Häufigkeit
Das toxische Schocksyndrom ist selten. Jedes Jahr erkrankt etwa 1 von 25.000 Menschen. Während das TSS früher meistens durch Tamponbenutzung entstand, sind Tampons inzwischen selten der Auslöser. Dies liegt daran, dass heute weniger saugfähige Tampons hergestellt werden – und die Packungsbeilagen über den richtigen Gebrauch informieren.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
- Wichtige Hinweise sind Tamponbenutzung, Fieber in der ersten Woche nach einer Geburt und kürzliche Operationen.
- Blutdruck, Puls und Körpertemperatur werden bestimmt. Ihre Haut wird gründlich untersucht. Ihr Brustkorb abgehört und abgeklopft. Sie werden auch auf neurologische Symptome hin untersucht.
- Bei Verdacht auf TSS erhalten Sie sofort eine Klinikeinweisung.
Im Krankenhaus
- Blut und Urin werden untersucht.
- Am vermuteten Infektionsherd sucht man Bakterien. Dazu wird etwa ein Rachen-, Wund- oder Vaginalabstrich gemacht. Man kann auch mit einer Nadel Hirnwasser (Liquor) oder Flüssigkeit aus dem Bauchraum (Peritonealflüssigkeit) entnehmen. Die Proben werden im Labor untersucht.
- Ihre Lunge wird geröntgt.
Behandlung
Es gibt sehr wirksame Medikamente zur Behandlung des TSS – meistens ist aber auch eine Operation notwendig.
Medikamente
Ein Schock wird umgehend mit Medikamenten und Flüssigkeitsgabe behandelt. Die Bakterien bekämpft man sofort mit Antibiotika. Dazu werden hochwirksame Breitbandantibiotika verwendet, da man nicht abwartet, bis der Bakterienstamm identifiziert worden ist. Ein Breitbandantibiotikum wirkt gegen viele verschiedene Bakterienstämme.
Operation
Bei einer Muskel- oder Faszieninfektion (nekrotisierende Myositis bzw. nekrotisierende Fasziitis) ist eine sofortige Operation besonders wichtig – wobei dann meist mehrere Operationen notwendig sind. Infizierte Wunden werden gereinigt (Débridement) und das Operationsgebiet gesäubert. Falls nötig, leitet man Wundsekrete und Eiter mit einem Schlauch aus dem Entzündungsherd ab (Drainage).
Wenn die Erkrankung fortschreitet, muss man möglicherweise Muskelfaszien spalten (Fasziotomie). Dadurch sinkt der Druck im geschwollenen Gewebe. Manchmal bleibt nur eine Amputation als Ausweg.
Autor
- Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Toxic Shock Syndrome. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Khayr W. Toxic shock syndrome. BMJ BestPractice. Last reviewed: 13 Apr 2022, last updated: 16 Feb 2022. bestpractice.bmj.com
- Ross A, Shoff HW. Toxic Shock Syndrome. In: StatPearls. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; August 11, 2021. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Stevens DL, Bisno AL, Chambers HF, et al. Practice guidelines for the diagnosis and management of skin and soft tissue infections: 2014 update by the infectious diseases society of America. Clin Infect Dis 2014; Jul 15. 59(2): 147-59. www.ncbi.nlm.nih.gov
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI): ICD-10-GM Version 2022. Stand 17.09.2021; letzter Zugriff 13.05.2022. www.dimdi.de
- Dellinger RP, Carlet JM, Masur H, et al. Surviving Sepsis Campaign guidelines for management of severe sepsis and septic shock. Crit Care Med 2013; Feb;41(2): 580-637. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Deutsche Sepsis-Gesellschaft (DSG): Sepsis - Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge. AWMF-Leitlinie 079 – 001. S3, Stand 2018. www.awmf.org
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