Tauchunfall

Tauchunfall

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Was ist ein Tauchunfall?

Definition

Mit Tauchunfall ist ein potenziell lebensbedrohliches oder gesundheitsgefährdendes Ereignis gemeint, das durch einen Abfall des Umgebungsdrucks beim Tauchen (oder auch beim Verlassen einer Druckkammer) entsteht. In der Folge kann es zur Dekompressionskrankheit oder einer arteriellen Gasembolie kommen. Diese Erkrankungen entstehen, wenn Druckunterschiede so schnell erfolgen, dass sie die Anpassungsfähigkeit des Körpers übersteigen.

Symptome

Dekompressionskrankheit

  • Zu dieser schweren Komplikation kommt es durch einen zu schnellen Druckabfall des Umgebungsdrucks beim Auftauchen. Es bilden sich Gasblasen in den Organen und im Blut.
  • Milde Symptome sind u. a. eine auffällige Müdigkeit, Hautjucken, Knochen-, Muskel- und Gelenkschmerzen und Ansammlung von Lymphflüssigkeit im Gewebe.
  • Zu den schweren Symptomen zählen sichtbare Hautveränderungen, körperliche Schwäche, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Lähmungen, Schmerzen beim Atmen oder Atemnot, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Als Spätfolge kann Knochengewebe absterben.

Arterielle Gasembolie

  • Durch Überdruck infolge einer zu kurzen Dekompressionszeit reißen Lungenbläschen (Barotrauma), und Gas tritt in die Lungenvenen ein. Die Gasbläschen werden weitertransprortiert über das Herz in die Arterien (Schlagadern). Dort können sie einen Gefäßverschluss und eine mangelnde Durchblutung von Organen verursachen.
  • Innerhalb von 10–20 Minuten entstehen Schwindel, Kopfschmerz und eine ausgeprägte Unruhe.
  • Das Gas im Blutstrom kann schlimmstenfalls Schlaganfälle und Herzinfarkte verursachen.
  • Ansonsten gleichen die Krankheitsanzeichen der arteriellen Gasembolie den schweren Symptomen der Dekompressionskrankheit.

Ursachen

  • Wenn sich Taucher*innen nicht an die von Tauchcomputern und Dekompressionstabellen errechneten Empfehlungen zu Dekompressionsstopps halten.
  • Lange oder tiefe Tauchgänge, wiederholte Tauchgänge ohne ausreichende Pausen
  • Tauchgänge im kalten Wasser
  • Große Anstrengung beim Tauchen
  • Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung)
  • Eine Flugreise kurz nach einem Tauchgang
  • Medikamente, Rausch- und Genussmittel, die Auswirkung auf die Wahrnehmung und die Gewebedurchblutung haben.
  • Hohes Alter
  • Übergewicht
  • Erkrankungen der Lunge
  • Eine Öffnung zwischen den beiden Vorhöfen des Herzens (Foramen ovale)

Häufigkeit

Je 10.000 Tauchgänge kommt es statistisch gesehen bei 3 Sporttaucher*innen zu einem Tauchunfall. Bei Berufstaucher*innen liegt die Häufigkeit um etwa das Dreifache höher.

Untersuchungen

Eine exakte Diagnosestellung ist nicht immer einfach, da die Symptome bei einem Tauchunfall sehr vielfältig sind und unterschiedlich ausfallen können. Grundsätzlich sollten aber alle Symptome, die nach einem Tauchgang auftreten, als Anzeichen für einen Tauchunfall betrachtet werden. Hilfreich ist es, wenn Betroffene bei der Diagnosestellung ihren Tauchcomputer dabeihaben.

In der Hausarztpraxis

Ein Tauchunfall wird in jedem Fall als medizinischer Notfall gehandhabt. Besteht der Verdacht auf eine Dekompressionskrankheit werden Betroffene sofort in ein Krankenhaus eingewiesen.

Zur Einschätzung des Tauchunfalls werden Betroffene nach den genauen Symptomen befragt, wie der Tauchgang abgelaufen ist und wie viel Zeit seither vergangen ist. Ggf. kann die Sauerstoffsättigung gemessen werden und ein EKG angefertigt werden.

Bei Spezialist*innen

Dort können weitergehende Untersuchungen wie etwa ein Röntgenbild des Brustkorbs angefertigt oder auch die Gaskonzentration im arteriellen Blut gemessen werden.

Behandlung

Akutbehandlung

Bei milden Symptomen

  • Gabe von Sauerstoff über eine Maske
  • Einnahme einer Elektrolytlösung
  • Neurologische Untersuchung, z. B. auf mögliche Empfindungsstörungen (Neurocheck für Taucher*innen)

Bei schweren Symptomen

  • Sauerstoffgabe über eine Maske
  • Ggf. lebensrettende Sofortmaßnahmen (Advanced Life Support) ergreifen.
  • Sicherstellen, dass die Atmung funktioniert.
  • Bei Bewusstseinsstörung Seitenlage
  • Zügiger und schonender Transport zur Druckkammer-Behandlung. Bei dieser hyperbaren Sauerstofftherapie atmen die Betroffenen reinen Sauerstoff bei erhöhtem Umgebungsdruck, möglichst innerhalb der ersten 6 Stunden nach dem Tauchunfall.

Medikamente

Spezielle Medikamente für Tauchunfälle gibt es nicht. Allerdings können Schmerzmittel ggf. die Folgen lindern. Ein schleimhautabschwellendes Spray kann bei einem Barotrauma helfen.

Autor

  • Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Tauchunfall. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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