Spondylolyse und Spondylolisthesis bei Kindern

Spondylolyse und Spondylolisthesis bei Kindern

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Was ist Spondylolyse/Spondylolisthesis?

Definition

Die Wirbelsäule besteht aus 33 vertikal übereinander angeordneten Wirbeln. Jeder Wirbel besteht aus einem Wirbelkörper und einem Wirbelbogen. Die Wirbel sind durch die Wirbelbogengelenke (sog. Facettengelenke) an der Rückseite der Wirbelsäule miteinander verbunden. Diese Verbindungen ermöglichen die Bewegung zwischen den Knochen der Wirbelsäule. Die Wirbel sind durch Bänder stabilisiert und werden durch die Bandscheiben, die zwischen allen Wirbeln liegen und als Stoßdämpfer fungieren, voneinander getrennt.

Spondylolyse

Eine Spondylolyse ist eine Verletzung des kompakten Knochens des Wirbelbogens, entweder nur in einem Bogen oder in beiden Bögen. Der Wirbelbogendefekt tritt in der Regel in der Lendenwirbelsäule auf.

Spondylolisthesis (Gleitwirbel)

Eine Spondylolisthesis (Gleitwirbel) entsteht, wenn ein Wirbelkörper im Verhältnis zu den darunter liegenden Wirbeln nach vorne gleitet. Dieses Wirbelgleiten tritt am häufigsten in der unteren Lendenwirbelsäule auf und stellt eine Komplikation der Spondylolyse dar. Bei älteren Personen kann ein Gleitwirbel auch aufgrund von Verschleißerscheinungen vorkommen.

Symptome

Eine Spondylolyse verursacht häufig keine Beschwerden. Sie kann aber auch zu Schmerzen im unteren Rücken führen, insbesondere bei sportlichen Belastungen.

Die Symptome können plötzlich oder nach für nach auftreten. Sie zeigen sich häufig erstmals während eines Wachstumsschubs. Schmerzen sind häufig in der unteren Lendenwirbelsäule lokalisiert und können in manchen Fällen bis zur Rückseite der Oberschenkel ausstrahlen. Gelegentlich können sich die Beine taub anfühlen. Die Schmerzen werden häufig durch das Überstrecken des Rückens hervorgerufen und nehmen im Liegen, im Sitzen und bei gebeugtem Rücken ab. Die Beweglichkeit kann eingeschränkt sein.

Bei einem ausgeprägten Wirbelgleiten sind Veränderungen in der natürlichen Krümmung der Wirbelsäule zu erkennen.

Ursachen

Eine Spondylolyse ist in der Regel auf eine angeborene Schwäche des Wirbelbogens zurückzuführen. Bei wiederholter Überlastung kann der Knochen geschädigt werden. Dieser Wirbelbogendefekt ist wiederum der Grund dafür, dass ein Wirbel im Verhältnis zu einem anderen gleitet, was als Spondylolisthesis (Gleitwirbel) bezeichnet wird.

Bei den meisten Betroffenen entwickelt sich die Spondylolyse in der Kindheit und Jugend. Bei älteren Personen kann ein Verschleiß der Bandscheiben und der Facettengelenke zu einer Lockerung der Wirbel führen.

Sportler*innen scheinen häufiger an einer Spondylolyse zu leiden. Dies ist dadurch zu erklären, dass der Rücken bei derartigen Aktivitäten konstanten und relativ starken Belastungen ausgesetzt ist, die zur Entwicklung einer Spondylolyse beitragen können. Risiko-Sportarten sind u. a. Basketball, Fußball, Judo, Handball, Rudern, Speerwurf, Tennis, Turnen, Turmspringen, Volleyball.

Häufigkeit

Bei bis zu 11,5 % der Bevölkerung wird eine Spondylolyse vermutet. Ein Gleitwirbel (Spondylolisthesis) liegt bei 4–5 % der Kinder in Europa vor. Im fortgeschrittenen Alter weisen bis zu 40 % der Patient*innen Gleitwirbel aufgrund von Verschleißerscheinungen auf.

Untersuchungen

Ihre Ärztin/Ihr Arzt stellt Fragen zu Ihren Beschwerden und untersucht den Rücken. Bei Verdacht auf Spondylolyse werden Sie an eine orthopädische Praxis überwiesen.

Bildgebende Verfahren

  • Die Diagnose wird mithilfe von Röntgenbildern der Lendenwirbelsäule gestellt.
  • Bei neurologischen Defiziten oder wenn eine konservative Behandlung nicht ausreicht, wird eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt.
  • Vor der Operation eines Gleitwirbels kann auch eine Computertomografie (CT) durchgeführt werden.

Behandlung

  • Ziel der Behandlung ist, Schmerzen zu lindern und ein Voranschreiten der Erkrankung zu verhindern.
  • Akute Schmerzen können mit Schmerzmitteln gelindert werden.
  • Wichtig ist vor allem, die mechanische Belastung des betroffenen Abschnitts der Wirbelsäule zu verringern. In der Regel wird empfohlen, für einige Monate auf die Ausübung von Sport zu verzichten. Zudem kann ein Stützkorsett getragen werden.
  • Auch Physiotherapie und selbst durchgeführte Übungen zur Rumpfstabilisierung und Dehnen der Oberschenkelrückseite sind hilfreich.
  • Außerdem können Ergotherapie und physikalische Therapiemaßnahmen angewendet werden.

Operation

  • Bei einem stärker ausgeprägten Wirbelgleiten, anhaltenden Schmerzen trotz Behandlung von mindestens 3 Monaten oder Anzeichen von Nervenbeteiligung wird ein operativer Eingriff empfohlen.
  • Bei Kindern wird häufig der Defekt im Wirbelbogen „repariert“, während bei Erwachsenen die Wirbelsäule im betroffenen Abschnitt versteift und stabilisiert wird.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Spondylolyse und Spondylolisthesis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie. S2k-Leitlinie Spezifischer Kreuzschmerz. AWMF-Leitlinie 187-059, Stand 2024. register.awmf.org
  2. Cassel M, Groß C, Mellerowicz H. Spondylolyse und Spondylolisthesis. Sports Orthopaedics and Traumatology 2021; 37(1): 59-64. www.sciencedirect.com
  3. Kalichman L, Kim DH, Li L, et al. Spondylolysis and spondylolisthesis: prevalence and association with low back pain in the adult community-based population. Spine (Phila Pa 1976) 2009; 34(2): 199-205. www.ncbi.nlm.nih.gov
  4. Steiger F, Becker HJ, Standaert CJ, et al. Surgery in lumbar degenerative spondylolisthesis: indications, outcomes and complications. A systematic review. Eur Spine J 2014; 23(5): 945-73. www.ncbi.nlm.nih.gov
  5. Froese BB. Lumbar spondylolysis and spondylolisthesis. Medscape, last updated Jun 03, 2024. emedicine.medscape.com
  6. Overley SC, McAnany SJ, Andelman S, et al. Return to Play in Adolescent Athletes With Symptomatic Spondylolysis Without Listhesis: A Meta-Analysis. Global Spine Journal 2018; 8(2): 190-7. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
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