Stumpfe Bauchverletzungen während der Schwangerschaft

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Was ist eine Bauchverletzung in der Schwangerschaft?

Definition

Während der Schwangerschaft kann es beispielsweise durch einen Schlag oder Stoß gegen den Bauch (stumpfes Bauchtrauma) zu einer Bauchverletzung kommen. Das kann sowohl die Schwangere als auch das ungeborene Kind schädigen.

Symptome

Die inneren Organe der Schwangeren können verletzt werden, und es kann zu inneren Blutungen kommen. Die Symptome einer Bauchverletzung hängen von der Art und Schwere der Verletzung ab. Es können starke Schmerzen auftreten, und es kann zu einer Plazentalösung mit starker vaginaler Blutung oder einer Frühgeburt kommen.

Auch das ungeborene Kind kann verletzt werden, bei sehr schweren Verletzungen kann es sterben.

Ursachen

Die häufigsten Ursachen für eine stumpfe Bauchverletzung in der Schwangerschaft sind Autounfälle, Motorradunfälle, häusliche Gewalt und Stürze.

Autounfälle sind verantwortlich für die Hälfte aller Bauchverletzungen in der Schwangerschaft und für über 80 % der Todesfälle durch Verletzungen.

Häusliche Gewalt nimmt häufig während der Schwangerschaft zu. In 1–5 % der Fälle löst sich der Mutterkuchen (Plazentalösung) auch bei leichten Verletzungen und gefährdet so das ungeborene Kind.

Häufigkeit

6–7 % der Schwangeren in den USA erleiden eine Verletzung. Verletzungen sind bei Schwangeren die häufigsten Todesursachen, die nicht direkt mit der Geburt in Verbindung stehen.

Eine australische Studie hat gezeigt, dass bei 8 % der Schwangeren die inneren Organe bei einem Autounfall verletzt werden. Schwangere Frauen erleiden bei einem Unfall mehr Bauch- und weniger Brust- oder Kopfverletzungen im Vergleich zu nicht-schwangeren Frauen. Die häufigste Verletzung des ungeborenen Kindes ist ein Schädelbruch. Eine Ablösung des Mutterkuchens (Plazentalösung) ist die Ursache für 70 % der Todesfälle der ungeborenen Kinder.

Untersuchungen

Im Notfall gibt ein standardisiertes Schema zur Untersuchung bei Verletzungen. Um die Schwere der Verletzungen und ihre Folgen einschätzen zu können, brauchen die Ärzt*innen möglichst genaue Informationen über den Unfall. Dazu zählt, was genau wann passiert ist und z. B. wie schnell ein Auto gefahren ist. Auch nach dem bisherigen Verlauf der Schwangerschaft und möglichen Komplikationen wird gefragt. Vorerkrankungen, Allergien, Medikamenteneinnahmen sowie Alkohol- und Drogenkonsum sind ebenfalls wichtig zu erwähnen.

Bei einer stumpfen Bauchverletzung in der Schwangerschaft muss die Schwangere sofort in Begleitung von Notärzt*innen in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Das Krankenhaus sollte möglichst auf Unfälle spezialisiert sein (Traumazentrum) und eine geburtshilfliche Abteilung haben.

Wenn die erste Untersuchung ergeben hat, dass der Kreislauf der Schwangeren stabil ist, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Dazu wird die Schwangere frauenärztlich (gynäkologisch) untersucht, um Fruchtwasserabgang, Blutungen oder Zeichen einer Ablösung des Mutterkuchens (Plazentalösung) festzustellen.

In einer Blutuntersuchung bestimmt man verschiedene Werte zur Funktion der Blutgerinnung, des Elektrolythaushaltes und der Nieren- und Leberfunktion. In einer Ultraschalluntersuchung kann man Verletzungen und Folgeschäden im Bauchraum feststellen. Je nach Ausmaß der Verletzung kann es notwendig sein, dass die Schwangere in einem CT untersucht wird. Das Risiko durch die Strahlenbelastung im CT ist für das ungeborene Kind geringer als das Risiko, mögliche lebensbedrohliche Verletzungen der Schwangeren zu übersehen.

Sobald die Schwangere stabilisiert ist, sollte das ungeborene Kind mit einer Herztonmessung (Kardiotokografie) überwacht werden. Dadurch kann festgestellt werden, ob der Fötus ausreichend mit Blut und Sauerstoff versorgt ist. Die häufigste Ursache hierfür ist ein zu großer Blutverlust der Mutter.

Behandlung

Das Ziel der Behandlung ist die Stabilisierung der Schwangeren. Das ist auch gleichzeitig die beste Behandlung für das ungeborene Kind.

Im Notfall muss die Schwangere zuerst stabilisiert werden. Bei einem Kreislaufstillstand müssen Wiederbelebungsmaßnahmen ergriffen werden. Je nach Ausmaß der Verletzungen und Art der Schäden wird die Schwangere behandelt.

In bestimmten Fällen ist ein Notfall-Kaiserschnitt notwendig. Dazu zählen eine Ablösung des Mutterkuchens (Plazentalösung), schwere Becken- oder Wirbelsäulenbrüche der Schwangeren, eine schwierige Lage des ungeborenen Kindes in der Gebärmutter mit vorzeitigen Wehen, schwere Störungen der Blutgerinnung (disseminierte intravasale Koagulopathie, DIC) oder wenn die Gebärmutter die Operation einer Verletzung behindert.

Wenn die Schwangere verstirbt und das ungeborene Kind aber lebt, sollte das Kind innerhalb von 5 Minuten nach der erfolglosen Wiederbelebung mit einem Kaiserschnitt auf die Welt geholt werden (perimortaler Kaiserschnitt).

Autorin

  • Lara Kolk, Dr. med., Ärztin in Weiterbildung Allgemeinmedizin, Bad Schwartau

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Schwangerschaft, Bauchtrauma. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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