Rattenbissfieber
Rattenbissfieber
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Was ist das Rattenbissfieber?
Definition
Das Rattenbissfieber ist eine Zoonose, d. h. eine Infektionskrankheit, die vom Tier auf den Menschen übertragen wird. Auslösende Erreger sind die Bakterien Streptobacillus moniliformis und Spirillum minus. Sie können durch einen Rattenbiss oder eine Kratzverletzung übertragen werden.
Die Erkrankung wurde 1914 erstmals beschrieben. Im Jahr 1926 kam es in Haverhill/USA zu einer Epidemie.
Symptome
Die Inkubationszeit (Zeit zwischen Infektion und Ausbruch der Krankheit) beträgt meist weniger als 10 Tage.
Nach einem Rattenbiss oder einer Kratzwunde schwillt die Bissstelle im Verlauf von einer Woche bis zu mehreren Wochen an. Das Hautgewebe um die Wunde verhärtet sich und allgemeine Infektionszeichen – Rötung, Überwärmung, Schwellung und Schmerzen – treten auf. Bei einigen Personen kommt eine vergrößerte Milz hinzu. Auch Gelenkentzündungen (Arthritis) können auftreten.
Bei einer mit Spirillum minus verursachten Infektion heilt der Rattenbiss in der Regel spontan ab. Aber eine Woche bis mehrere Wochen später kann die Bissstelle anschwellen, verhärten und schmerzen. Evtl. verfärbt sich die Wunde lila.
Typisch für eine Erkrankung mit Streptobacillus moniliformis ist ein plötzlich auftretendes Krankheitsgefühl mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen und Muskelschmerzen. Nach einigen Tagen kann ein fleckig-knotiger Hautausschlag auftreten, auf den in bis zu 50 % der Fälle Gelenkschmerzen folgen.
Nach kurzer Zeit können die lokalen und allgemeinen Beschwerden nachlassen, jedoch nach einigen Tagen wieder zunehmen. Das gilt sowohl für eine Streptobacillus-moniliformis- als auch eine Spirillum-minus-Infektion. Dieser Verlauf mit abwechselnd drei- bis viertägigem Fieber gefolgt von fieberfreien Perioden kann Wochen dauern. Außerdem kann es zu Komplikationen kommen (z. B. Lungenentzündung, Endokarditis).
Ursachen
Über die Entstehung der Erkrankung ist wenig bekannt, auch Angaben zur Durchseuchung der Ratten variieren. 10–100 % aller Ratten sind Träger der Bakterien Streptobacillus moniliformis und Spirillum minus, die die Erkrankung verursachen.
Zur Infektion kommt es durch den Biss wild lebender Ratten oder bei Labormitarbeiter*innen durch den Kontakt zu Versuchstieren. Auch durch den Biss von Ratten, die als Haustiere gehalten werden, können Erwachsene und Kinder erkranken.
Eine Übertragung ist auch durch Lebensmittel oder Getränke möglich, die mit Rattenkot verseucht sind. Ebenso kann die Erkrankung indirekt über nicht chloriertes Trinkwasser oder nicht pasteurisierte Milch erfolgen.
Selten ist auch eine Übertragung durch (Renn-)Mäuse, weitere Nagetiere, Hunde, Katzen oder Frettchen möglich.
Häufigkeit
Sowohl eine Infektion durch Streptobacillus moniliformis als auch durch Spirillum minus kommt selten vor. Wie häufig Erkrankungen mit Rattenbissfieber vorkommen, ist nicht genau bekannt.
Die meisten der in den USA veröffentlichten Fälle waren durch S. moniliformis verursacht (Streptobacillus-Rattenbissfieber). In Asien ist Spirillum minus (Spirillen-Rattenbissfieber) der hauptsächliche Erreger.
Das Infektionsrisiko nach einem Rattenbiss liegt bei ca. 10 %.
Untersuchungen
Der Biss einer Ratte oder eines Nagetiers ist ein wichtiger Hinweis auf eine mögliche Infektion mit dem Rattenbissfieber. Es gibt anfangs nur in Ausnahmefällen Anzeichen für eine Wundinfektion an der Bissstelle, dazu kommt es erst im Krankheitsverlauf. Weitere Hinweise liefern die typischen Symptome der Betroffenen.
Liegt ein Verdacht auf das Rattenbissfieber vor, kann der Erreger im Blut, der Gelenkflüssigkeit oder im Wundgewebe nachgewiesen werden.
Behandlung
Ziele der Behandlung sind: Die Wunde reinigen, die Infektion beseitigen und Komplikationen verhindern.
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika, in erster Linie wird Penicillin verordnet. Die Bisswunde wird gereinigt und, wenn nötig, auch weiter behandelt.
Der Krankheitsverlauf sollte überwacht werden. Wenn die Behandlung zu keiner Besserung führt oder Komplikationen auftreten, ist eine Überweisung ins Krankenhaus angezeigt.
Autorin
- Ulrike Boos, Redakteurin von Deximed, Freiburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Rattenbissfieber. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Orphanet. Rattenbiss-Fieber. Paris, Orphanet, Stand 2009. www.orpha.net
- Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Emerging and Zoonotic Infectious Diseases (NCEZID), Division of High-Consequence Pathogens and Pathology (DHCPP): Rat-bite Fever (RBF). Last updated January 18, 2019. www.cdc.gov
- Gupta M, Bhansali RK, Nagalli S, et al. Rat bite Fever. National Library of Medicine. Last Update: May 10, 2022. www.ncbi.nlm.nih.gov
- King KY. Rat bite fever. Uptodate. last updated: Nov 30, 2021. www.uptodate.com
- Kawakami Y, Katayama T, Kishida M, et al. A Case of Streptobacillus moniliformis Infection with Cutaneous Leukocytoclastic Vasculitis. Acta Med Okayama. 2016 Oct;70(5):377-381. www.lib.okayama-u.ac.jp
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