Postpartale Endometritis (Wochenbettfieber)
Postpartale Endometritis (Wochenbettfieber)
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Was ist eine postpartale Endometritis?
Definition
Eine postpartale Endometritis (auch Wochenbettfieber) ist eine Entzündung der Gebärmutterschleimhaut nach der Geburt.
Die Infektion betrifft zunächst die Gebärmutterhöhle und kann sich auf die Muskelschicht der Gebärmutter (Endomyometritis: Entzündung des Myometriums) und auf das außenliegende Bindegewebe (Parametritis: Entzündung des Parametriums) ausweiten.
Symptome
Erste Symptome zeigen sich meist etwa 2–3 Tage nach der Geburt. Möglich sind:
- Fieber
- Schüttelfrost
- Schmerzen bzw. Schmerzempfindlichkeit im Unterleib
- übelriechender Ausfluss
- Abgeschlagenheit
Wenn die Entzündung aufgrund einer Infektion mit Chlamydien entsteht, treten die Symptome typischerweise erst ab dem 7. Tag nach der Geburt auf.
Der Verlauf einer postpartalen Endometritis ist häufig mild. Allerdings sind auch schwere Verläufe mit Blutvergiftung möglich.
Ursachen
Die Infektion kann von verschiedenen Bakterienarten (z. B. Streptokokken, Staphylokokken oder E.-coli-Bakterien) ausgelöst werden. Auch eine Infektion mit Chlamydien kann die Ursache sein.
Wenn die Fruchtblase platzt, können Bakterien aus dem Gebärmutterhals und der Scheide in die Gebärmutter aufsteigen. Sie nisten sich bevorzugt in verletztem Gewebe ein, wie es z. B. bei einem Kaiserschnitt entsteht.
Risikofaktoren
- Lange Geburt (Wehen länger als 12 Stunden, Austreibung länger als 2 Stunden)
- Frühes Platzen der Fruchtblase
- Frühgeburt (Niederkunft vor oder in der 32. Woche)
- Vaginale bakterielle Infektionen
- Wiederholte vaginale Untersuchungen
- Chorioamnionitis (Infektion von Fruchtblase, die den Embryo umgibt, Fruchtwasser und/oder Plazenta)
- Besiedlung mit B-Streptokokken
- Entbindung mithilfe von Saugglocke oder Geburtszange
- Mekoniumhaltiges Fruchtwasser (entsteht, wenn das Kind seinen ersten Stuhl in die Fruchtblase entleert)
- Wenn die Mutter an Übergewicht (BMI über 40) oder Diabetes mellitus leidet.
Häufigkeit
Die postpartale Endometritis tritt bei etwa 1,6 % aller Geburten auf. Bei Kaiserschnitten lässt sich eine erhöhte Häufigkeit beobachten:
- 11 % nach Notfall-Kaiserschnitten
- Knapp 2 % nach geplantem Kaiserschnitt.
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
- Fiebermessung
- Vorsichtiges Abtasten des Unterleibes (Schmerzen?)
- Untersuchung der Brüste (Wochenbett-Brustentzündung als Fieberursache?)
- Blutuntersuchung (um Infektionen festzustellen)
- Urinuntersuchung (möglicher Harnwegsinfekt?)
- Bakteriologische Untersuchung des Ausflusses
- Bei Verdacht auf Sepsis oder andere Erkrankungen folgen weitere Untersuchungen.
Bei Fiebersymptomen nach der Geburt erfolgt in der Regel eine sofortige Überweisung in eine gynäkologische Praxis.
Bei Spezialist*innen
- Gynäkologische Untersuchung
- Vaginalultraschall
- Bei Bedarf: Computertomografie (CT)
- Bei Bedarf: Bauchspiegelung
Behandlung
Bei Fieber im Wochenbett sollte bis zum Nachweis einer anderen Infektionsursache immer von einer Endomtritis ausgegangen werden.
Das Wochenbettfieber wird mit Antibiotika behandelt, die intravenös (über eine Infusion) gegeben werden.
Autorin
- Nina Herrmann, Wissenschaftsjournalistin, Flensburg
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Postpartale Endometritis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Schrey-Petersen S, Tauscher A, Dathan-Stumpf A, Stepan H. Diseases and complications of the puerperium. Dtsch Arztebl Int 2021; 118: 436– 46. DOI: 10.3238/arztebl.m2021.0168. www.aerzteblatt.de
- Smaill FM, Grivell RM. Antibiotic prophylaxis versus no prophylaxis for preventing infection after cesarean section. Cochrane Database Syst Rev 2014. www.cochranelibrary.com
- Singh N, Sethi A. Endometritis - Diagnosis,Treatment and its impact on fertility - A Scoping Review. JBRA Assist Reprod. 2022 Aug 4;26(3):538-546. www.ncbi.nlm.nih.gov
- Declercq E, Barger M, Cabral HJ, et al. Maternal outcomes associated with planned primary cesarean births compared with planned vaginal births. Obstet Gynecol 2007; 109:669. PubMed
- Mackeen AD, Packard RE, Ota E, Speer L. Antibiotic regimens for postpartum endometritis. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015, Issue 2. Art. No.: CD001067. DOI: 10.1002/14651858.CD001067.pub3. DOI
- Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI). Prophylaxe der Neugeborensepsis- frühe Form - durch Streptokokken der Gruppe B. AWMF-Leitlinie Nr. 024/020.S2k, Stand 2016 (abgelaufen). www.awmf.org
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