Patellaspitzensyndrom (Springerknie)

Patellaspitzensyndrom (Springerknie)

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Was ist das Patellaspitzensyndrom?

Definition

Das Patellaspitzensyndrom ist eine Sehnenerkrankung, die durch übermäßige Belastung entsteht (Tendopathie). Die Erkrankung betrifft den Streckapparat des Knies und kann sowohl die Quadrizeps-Sehne (oberhalb der Kniescheibe) als auch die Patellarsehne (unterhalb der Kniescheibe) betreffen.

Das Patellaspitzensyndrom wird auch als Springerknie („Jumper's Knee“) bezeichnet, da die Überlastung der Sehne und die Schmerzen in erster Linie durch Springen ausgelöst werden.

Symptome

Anfangs treten die Schmerzen nur bei Belastung, z. B. beim Treppensteigen, auf. Im weiteren Verlauf haben die Betroffenen auch in Ruhe Beschwerden.

Typischerweise beginnt der Knieschmerz schleichend im vorderen Bereich des Knies, oft in Verbindung mit gesteigerter Trainingsbelastung. Meist tritt der Schmerz unterhalb der Kniescheibe auf, möglich sind aber auch Beschwerden oberhalb der Kniescheibe.

Das Patellaspitzensyndrom wird in vier klinische Stadien eingeteilt:

  • Stadium 1
    • Schmerzen treten ausschließlich nach körperlicher Aktivität auf.
    • Es bestehen keine Funktionseinschränkungen des Knies.
  • Stadium 2
    • Schmerzen treten während und nach körperlicher Belastung auf.
    • Die sportliche Leistungsfähigkeit ist weiterhin nicht eingeschränkt.
  • Stadium 3
    • Die Schmerzen halten während und nach körperlicher Aktivität an.
    • Die sportliche Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt.
  • Stadium 4
    • Die Sehne ist gerissen.

Ursachen

Durch häufiges Springen können die Sehnen im Streckapparat des Knies überlastet werden. Dadurch kommt es in der Akutphase zu einer entzündlichen Reaktion der Sehne, die im weiteren Verlauf degenerative Veränderungen (Abnutzung und Verschleiß) nach sich ziehen kann.

Mögliche Risikofaktoren, für die allerdings keine wissenschaftlichen Belege vorliegen, sind:

  • hohe vertikale Sprungkraft
  • Geringe Streckfähigkeit im Sprunggelenk, sodass der Sprung bei der Landung nicht ausreichend abgefedert werden kann.
  • Übergewicht
  • verminderte Flexibilität der Quadrizeps-Sehne unterhalb der Kniescheibe und der Muskulatur an der Oberschenkelrückseite (ischiokrurale Muskulatur)
  • Wechsel oder Veränderung des Schuhwerks
  • hohe Anzahl der Trainingseinheiten pro Woche
  • rasche Steigerung der Trainingsintensität
  • Training auf hartem Untergrund

Häufigkeit

Das Patellaspitzensyndrom ist eine sehr häufige Sehnenerkrankung bei Sportler*innen, insbesondere in Sprungsportarten. Folgende Zahlen gelten beispielsweise für Volleyball und Basketball:

  • Volleyball: Betroffen sind 14 % der Sportler*innen im Breitensport, 45 % im Hochleistungssport.
  • Basketball: 12 % im Breitensport, 32 % im Hochleistungssport

Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

Die Diagnose kann anhand des Krankheitsverlaufs und der typischen Beschwerden (siehe Abschnitt Symptome) gestellt werden.

Bei der Untersuchung zeigt sich eine schmerzhafte Druckempfindlichkeit, meist am unteren Bereich der Kniescheibe, teilweise auch im oberen Teil oder im Bereich des Sehnenansatzes am Schienbein. Der Schmerz ist bei gestrecktem Knie meist stärker als bei einer Beugung.

Bei Spezialist*innen

Bildgebende Verfahren sind nur selten erforderlich. Bei Bedarf kann eine Ultraschalluntersuchung Aufschluss über Veränderungen an der Sehne geben.

Die Überweisung an eine orthopädische Praxis kann erfolgen, wenn Unsicherheit bezüglich der Diagnose besteht oder die Behandlung keine Wirkung zeigt.

Behandlung

Ziele der Behandlung sind Heilung der Sehnenveränderungen, Schmerzlinderung und die Rückkehr zu sportlichen Aktivitäten.

In der Regel beginnt die Behandlung mit einer konservativen Therapie, bestehend aus Physiotherapie und weiteren Maßnahmen. Zeigt diese nicht die gewünschte Wirkung, kann eine Operation erforderlich werden. Zuvor jedoch sollten konservative Maßnahmen für mindestens 6–9 Monate versucht werden.

Physiotherapie

Bei der Physiotherapie kommen unterschiedliche Behandlungsansätze zum Einsatz:

  • Anpassung oder Änderung des Trainings (schmerzauslösende Bewegungen sollten vermieden werden)
  • Kräftigungsübungen, z. B.:
    • Einbeinig langsam in die Kniebeuge hinuntergehen.
    • Beinpresse: Die Vorwärtsbewegung mit dem gesunden Bein, die Rückwärtsbewegung mit dem betroffenen Bein ausführen.
  • Dehnungsübungen

Weitere Maßnahmen

  • Kühlung, insbesondere nach sportlicher Aktivität: 4- bis 6-mal am Tag für 20–30 Minuten
  • Schmerzmittel: NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika) kurzfristig zur Schmerzlinderung, z. B. Ibuprofen als Tablette oder Diclofenac-Gel
  • Knieorthese zur Entlastung der Sehnenansätze und zur Stabilisierung der Kniescheibe
  • Injektionen
    • Eigenbluttherapie: mindestens 2 Injektionen von thrombozytenreichem Plasma in die Sehne im Abstand von 2 Wochen
    • Glukokortikoide: Injektion von Glukokortikoiden unter Ultraschallkontrolle in die Umgebung der Sehne (Risiko eines Sehnenrisses bei einer Injektion direkt in die Sehne)
    • Verödung (Sklerotherapie): ultraschallgesteuerte Injektion eines Verödungsmittels (ebenfalls Risiko eines Sehnenrisses)
  • Extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT): Behandlung mit Schallimpulsen, möglich in der Frühphase sowie bei Betroffenen, die andere Behandlungsformen bereits über mehrere Monate hinweg versucht haben.

Operation

Als letzte Möglichkeit und wenn die konservativen Maßnahmen keine Wirkung zeigen, gibt es eine Vielzahl von operativen Behandlungsmöglichkeiten, z. B. Arthroskopie (Gelenkspiegelung) oder chirurgische Entfernung des krankhaft veränderten Sehnengewebes.

Allerdings gibt es für den Nutzen der operativen Eingriffe keinen eindeutigen Nachweis.

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