Otosklerose

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Was ist Otosklerose?

Definition

Ohr – Überblick
Innenohr

Otosklerose ist eine langsam fortschreitende Knochenerkrankung im Innen- und Mittelohr, die das Schläfenbein und das knöcherne Labyrinth (Hohlraumsystem im Ohr) und somit auch die Hörschnecke (Cochlea) betrifft. Es kommt zu einer Umbildung und Versteifung der Knochenstrukturen.

Symptome

Typisch ist eine allmählich zunehmende Schwerhörigkeit insbesondere bei niedrigen Frequenzen (z. B. Vokale oder männliche Stimmen). Darüber hinaus mögliche Beschwerden sind:

  • Leichter Schwindel, der in regelmäßigen Abständen auftritt.
  • Tinnitus (Ohrgeräusch) in unterschiedlich starker Ausprägung

Meist treten die Symptome auf beiden Ohren auf (ca. 80 %).

Ursachen

Bei der Otosklerose ist der Knochenstoffwechsel gestört. Dabei unterscheidet man drei Phasen:

  1. Erhöhte Zellenaktivität und Neubildung winziger Blutgefäße innerhalb des Knochens
  2. In Bereichen, wo knochenbildende Zellen normalerweise das Knochenmaterial ummodellieren, erzeugen diese Zellen nun spongiösen Knochen (schwammartig aufgebautes Knochenmaterial mit zahlreichen Hohlräumen).
  3. Der spongiöse Knochen verdichtet sich.

Die Ursache für Otosklerose ist bislang ungeklärt. Es wird angenommen, dass mehrere Faktoren zu einer Erkrankung beitragen können, u. a.:

  • Erblichkeit: Bei bis zu 50 % der Betroffenen liegt eine familiäre Veranlagung vor.
  • Schwangerschaft: Oft geht hiermit ein schubweiser Hörverlust einher.
  • Vorerkrankungen: z. B. veränderte Östrogen-Empfindlichkeit, Autoimmunerkrankungen, virale Infektionen (z. B. Masern).

Häufigkeit

Zwischen 0,5–1 % der Bevölkerung sind von einer Otosklerose getroffen. Meist tritt die Krankheit im Alter von 15–30 Jahren auf, wobei eine Behandlung oftmals erst nach weiteren 10–15 Jahren notwendig wird.

Generell sind Frauen etwas öfter betroffen als Männer, das Verhältnis liegt bei ca. 1,5:1. Während einer Schwangerschaft können sich die Symptome zudem verstärken.

Bei etwa 80 % der Betroffenen tritt die Krankheit auf beiden Ohren auf.

Untersuchung

  • Allgemeine Untersuchung des Ohres mittels Ohrspiegelung (Otoskopie)
  • Stimmgabeltest: Eine schwingende Stimmgabel wird auf den Kopf aufgesetzt bzw. vor das Ohr gehalten; je nachdem, ob und wie laut Sie den Ton hören, lässt sich daraus eine Diagnose ableiten.
  • Zudem sind weitere Untersuchungen in einer HNO- oder radiologischen Praxis erforderlich, etwa eine Ohrmikroskopie oder eine Computertomografie.

Behandlung

Ziel der Therapie ist es, das verbliebene Hörvermögen zu erhalten bzw. zu verbessern. Zunächst erfolgt dies durch ein Hörgerät. Insbesondere nur geringer Hörverlust lässt sich damit gut ausgleichen. Allerdings sollte das Hörvermögens regelmäßig in der HNO-Praxis geprüft werden.

Bei ausbleibender Besserung oder weiterer fortgeschrittener Erkrankung kann eine operative Behandlung erfolgen. Bei der sog. Stapedotomie wird das hintere Gehörknöchelchen, der Steigbügel, teilweise durch eine Prothese ersetzt. In etwa 90 % der Fälle lässt sich hierdurch das Hörvermögen verbessern. Auch der Einsatz einer elektronischen Hörprothese (Cochlea-Implantat) ist im fortgeschrittenen Stadium möglich.

Das Risiko für postoperative Taubheit am betroffenen Ohr liegt bei ca. 0,5 % und für permanenten Schwindel bei unter 1 %. Daher wird in der Regel nur ein Ohr operiert. Nach der Operation ist der Hörgewinn häufig dauerhaft.

Autorin

  • Nina Herrmann, Wissenschaftsjournalistin, Flensburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Otosklerose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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