Milzbrand

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Was ist Milzbrand?

Definition

Der Name führt in die Irre: Milzbrand ist gar keine Erkrankung der Milz. Es handelt sich um eine Infektionskrankheit, die durch das Milzbrand-Bakterium verursacht wird und meistens die Haut betrifft.

An Milzbrand erkranken in erster Linie größere Pflanzenfresser wie Schafe, Rinder, Pferde, Ziegen und Schweine. Die Erkrankung kommt auch bei Wildtieren vor. Die Bakterien können auf Menschen übertragen werden, dies passiert allerdings äußerst selten. In 95 % aller Krankheitsfälle beim Menschen ist die Haut betroffen (Hautmilzbrand). Noch viel seltener, aber auch viel ernster, ist eine Erkrankung in der Lunge oder im Darm.

Symptome

Hautmilzbrand verläuft in der Regel mild. Lungenmilzbrand ist dagegen sehr gefährlich! Ein schwerer Verlauf ist jedoch bei allen Formen möglich, wenn sich die Infektion im Körper ausbreitet. Dies führt zu einer ernsten Erkrankung.

In 95 % der Fälle liegt ein Hautmilzbrand vor, der mit leichten Symptomen verläuft. 2–5 Tage nach der Infektion tritt eventuell ein typischer Hautausschlag auf, meist an den Händen, Armen oder im Gesicht. Der Ausschlag beginnt als leicht juckender, rötlicher Knoten, der sich schließlich in eine mit Flüssigkeit gefüllte Blase verwandelt, bevor sich eine typische schwarze Kruste bildet. Dieser Verlauf ist schmerzlos.

Lungenmilzbrand neigt dazu, sich im Körper auszubreiten. Die Symptome von Lungenmilzbrand sind zunächst uncharakteristisch. In der Regel treten Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Atemnot und Husten auf. Der Zustand verschlechtert sich aber schnell zu einer lebensbedrohlichen Situation, weil sich die Infektion im Körper ausbreitet – zunächst entzündet sich die Lunge, dann die Hirnhäute (Meningitis), und die Person kann schwerkrank werden.

Darmmilzbrand entsteht bei Personen, die kontaminierte Nahrungsmittel verzehren. Es entstehen Fieber, Bauchschmerzen und Erbrechen. Der Darmmilzbrand kann zu tiefen Defekten der Schleimhaut im Mund und in der Speiseröhre führen. Manchmal kommt es zu schwer verlaufenden Entzündungen des Darmes.

Ursachen

In dem seltenen Fall, dass Personen an Milzbrand erkranken, stammt die Infektion von direktem oder indirektem Kontakt zu Tieren. Gut zu wissen ist jedoch: Eine Übertragung von Mensch zu Menschen konnte bisher nicht nachgewiesen werden. Eintrittspforten in den Körper sind Wunden in der Haut, die Schleimhäute, die Lunge und der Magen. Die meisten Menschen stecken sich durch den direkten Kontakt mit Knochen, Häuten, Fell/Wolle oder von Tierkadavern an. Wer Fleisch von Tieren mit Milzbrand isst, kann Darmmilzbrand bekommen.

Milzbrand-Bakterien können Sporen bilden. Bakteriensporen überleben lange im Erdreich. Durch aufgewirbelten Staub können Sporen in die Lungen eingeatmet werden, wodurch Lungenmilzbrand verursacht werden kann.

Nach der Ansteckung dauert es einige Zeit, bis die ersten Symptome auftreten. Diese sog. Inkubationszeit beträgt bei Hautmilzbrand 1–12 Tage oder eventuell mehr, bei Lungenmilzbrand mindestens 1–6 Tage und bei Darmmilzbrand 1–3 Tage.

Häufigkeit

Fast immer zeigt sich Milzbrand auf der Haut und verläuft ungefährlich. Milzbrand tritt in Deutschland beim Menschen selten auf, wenn überhaupt, dann in der Regel unter drogenabhängigen Personen. Im Jahr 2012 wurden in Deutschland 4 Milzbrand-Erkrankungen bei Heroinkonsument*innen gemeldet, eine erkrankte Person verstarb.

Oft sind Personen betroffen, die häufigen Kontakt zu Tieren haben (Schafe, Rinder, Pferde, Ziegen oder Schweine). Beim Tier ist die Erkrankung in vielen Ländern nach wie vor verbreitet. Die Erkrankung tritt am häufigsten in Afrika und Asien auf, kommt aber auch in Osteuropa, Australien und den USA vor.

Untersuchungen

Bei Hautmilzbrand kann die Diagnose auf der Grundlage des typischen Ausschlags gestellt werden. Andernfalls wird die Diagnose durch den Nachweis des Bakteriums bestätigt. Dies geschieht entweder direkt durch das Mikroskop oder durch Zellkulturen, bei denen die Bakterien gezüchtet und dann untersucht werden. Das untersuchte Material kann aus einer Wunde, Blut, Speichel, Eiter oder Rückenmarksflüssigkeit stammen.

Behandlung

Wenn eine Erkrankung vorliegt, sollte sofort mit einer zweimonatigen Antibiotika-Behandlung begonnen werden, z. B. mit Penicillin. Auch wenn Hautmilzbrand oft von alleine wieder zurückgeht, wird dennoch eine Antibiotika-Behandlung empfohlen, damit sich die Bakterien nicht auf andere Teile des Körpers ausbreiten, was sehr gefährlich ist. Die infizierten Hautstellen (Blasen, Verkrustungen) sollten nicht entfernt oder eröffnet werden, da sich dadurch das Risiko einer Ausbreitung im Körper erhöht.

Falls im Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit zu einer Milzbrandinfektion kam, sollte der Verdacht auf eine Berufskrankheit an die zuständige Berufsgenossenschaft gemeldet werden.

Autor

  • Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Anthrax (Milzbrand). Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Splettstößer W, Berner R, Frangoulidis D, et al. In: Berner R, Bialek R, Forster J, Härtel C, Heininger U, Huppertz H, Liese J, Nadal D, Simon A, Hrsg. DGPI Handbuch. 7., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2018. eref.thieme.de
  2. World Health Organization, Food and Agriculture Organization of the United Nations & World Organisation for Animal Health. (2008). Anthrax in humans and animals, 4th ed.. World Health Organization apps.who.int
  3. Statistisches Bundesamt (Destatis). Diagnosen der Krankenhauspatient*innen in Deutschland nach Hauptdiagnose Stand: 16.02.2023, abgerufen online am 16.02.2023. www.destatis.de
  4. Robert Koch-Institut. Infektionsepidemiologisches Jahrbuch 2014, Berlin. (Zugriff 01.12.2015). www.rki.de
  5. Caffes N, Hendricks K, Bradley J, et al. Anthrax Meningoencephalitis and Intracranial Hemorrhage. Clin Infect Dis. 2022 Oct 17;75(Suppl 3):S451-S458. pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
  6. EMA/CHMP Guidance document on use of medicinal products for the treatment and prophylaxis of biological agents that might be used as weapons of bioterrorism, 2014 www.ema.europa.eu
  7. Seybold J. Bacillus anthracis (Milzbrand, Anthrax). In: Suttorp N, Möckel M, Siegmund B, Dietel M, Hrsg. Harrisons Innere Medizin. 20. Auflage. Berlin: ABW Wissenschaftsverlag; 2020 eref.thieme.de
  8. Deutsche Gesellschaft für Infektiologie. Injektions-Anthrax (Milzbrand), 2012. www.dghm.org
  9. Deutsches Ärzteblatt. FDA lässt Antikörper gegen Anthrax zu, Pressemitteilung, 2012. www.aerzteblatt.de
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