Listeriose
Listeriose
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Was ist Listeriose?
Definition
Listeriose zählt zu den sog. Zoonosen – Erkrankungen, die von Tieren auf Menschen übertragen werden können. Die Krankheit wird durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursacht. Das Bakterium ist in der Natur weit verbreitet und bei vielen Tierarten vorzufinden. Es wird über Nahrungsmittel oder Kontakt mit infektiösem Material (z. B. Tierkot) übertragen.
Symptome
Nach einer Infektion mit Listerien entwickeln sich innerhalb von wenigen Tagen bis zu einigen Wochen Symptome. Die Zeit von der Infektion bis zum Auftreten von Symptomen kann aber auch bis zu 70 Tage betragen.
Bei gesunden Menschen verläuft die Erkrankung oft ohne Symptome. Manchmal treten Fieber, Erbrechen und Durchfall auf.
Bei Menschen mit einem geschwächten Immunsystem kann eine Infektion zu einer schweren Erkrankung führen. Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein. Außerhalb der Schwangerschaft verursacht die Infektion häufig eine Meningitis (Hirnhautentzündung), kann aber auch zu einer Sepsis (Blutvergiftung) führen.
Die Krankheit beginnt langsam mit allgemeinen Symptomen wie Fieber und Muskelschmerzen. Nach einer Weile treten evtl. Symptome einer Meningitis auf, wie z. B. Bewusstseinsstörungen und Kopfschmerzen. Auch andere Organe können betroffen sein.
In der Schwangerschaft/bei Neugeborenen
Eine Listeriose in der Schwangerschaft verursacht meist unspezifische Symptome wie Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und Abgeschlagenheit. Schwangere können ihre Kinder anstecken, ohne selbst zu erkranken. Eine Infektion des Fötus in der Gebärmutter kann zu dessen Tod oder einer Frühgeburt führen. Bei Neugeborenen kann die Infektion zu Sepsis, Atemnot, Magen-Darm-Beschwerden und Hautausschlag führen. Auch eine Hirnhautentzündung (Meningitis) kann auftreten.
Ursachen
Listerien sind weit verbreitet und kommen bei vielen Tierarten und in der Umwelt vor, u. a. in der Erde, in Pflanzen, Tierfutter, Wasser oder Abwasser.
Die Übertragung erfolgt am häufigsten über verunreinigte Lebensmittel, vor allem unpasteurisierte Milchprodukte, Weichkäse, rohe Wurst, Rohkostsalate, vorgeschnittene Blattsalate sowie geräucherte Fischprodukte. Die meisten Infektionsherde sind Lebensmittel, die in gekühltem Zustand aufbewahrt und ohne weitere Wärmebehandlung zubereitet werden. Listerien können sich auch bei Kühlschranktemperatur vermehren.
Ebenfalls möglich ist eine Verunreinigung von Lebensmitteln durch von Listerien befallene Personen, z. B. bei der Lebensmittelverarbeitung.
Neugeborene von infizierten Müttern können in der Gebärmutter oder bei der Geburt angesteckt werden.
Risikofaktoren
Bei Menschen, die ein geschwächtes Immunsystem haben, besteht ein erhöhtes Risiko, nach der Ansteckung zu erkranken. Weitere Beispiele für ein erhöhtes Risiko sind Schwangerschaft, Alkoholabhängigkeit, hohes Alter, Kortison-Therapie und Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes.
Häufigkeit
In Deutschland erkranken jährlich ca. 300–600 Menschen an Listeriose, 65 % der Erkrankten sind Männer. Von den gemeldeten Listeriosefällen betreffen 10 % Infektionen in der Schwangerschaft oder bei Neugeborenen.
Untersuchungen
- Neben einer allgemeinen körperlichen Untersuchung wird eine neurologische Untersuchung durchgeführt, um schwere Verläufe zu erkennen.
- Die Erreger können in Blutkulturen, Rückenmarksflüssigkeit (Lumbalpunktion), Fruchtwasser, Vaginalsekret oder Stuhl nachgewiesen werden.
Behandlung
Bei Verdacht auf Listeriose sollten die Patient*innen im Krankenhaus behandelt werden. Eine schnelle Therapie ist wichtig, um mögliche Folgeschäden zu vermeiden.
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Sie dauert mindestens 3 Wochen, oft aber auch bis zu 6 Wochen oder länger. Häufig ist eine weitere intensive Überwachung mit Flüssigkeits- und Nährstoffzufuhr direkt in den Blutkreislauf erforderlich.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Listeriose. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
- Robert-Koch-Institut. Listeriose. RKI-Ratgeber für Ärzte. Letzte Aktualisierung: November 2023. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.rki.de
- Herold G, et al. Innere Medizin. S. 885-886. Köln: Dr. med. Gerd Herold, 2019.
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie. S2k-Leitlinie Ambulant erworbene bakterielle Meningoenzephalitis im Erwachsenenalter. AWMF-Leitlinie Nr. 030-089, Stand 2023. register.awmf.org
- Rauer S, Bogdan C. Listeriose. In: Hufschmidt A, Rauer S, Glocker F, Hrsg. Neurologie compact. 9., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022. eref.thieme.de
- Karasteh K, Baenkler HW, Bieber C, et al. Duale Reihe. Innere Medizin. S. 1065. Stuttgart: Georg Thieme Verlag KG,, 2018.
- Deutsches Ärzteblatt. Ministerin in Hessen geht von drei Todesfällen durch Listeriose aus. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.aerzteblatt.de
- Robert Koch Institut. Epidemiologisches Bulletin. Nr. 41. S. 431-432. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.rki.de
- Gesellschaft für Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin (GNPI), Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI), Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ) und Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). S2k-Leitlinie Bakterielle Infektionen bei Neugeborenen. AWMF-Leitlinie Nr. 024-008, Stand 2018 (abgelaufen). register.awmf.org
- Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) § 8 Zur Meldung verpflichtete Personen. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.gesetze-im-internet.de
- Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) § 6 Meldepflichtige Krankheiten. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.gesetze-im-internet.de
- Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz. Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen (Infektionsschutzgesetz - IfSG) § 7 Meldepflichtige Nachweise von Krankheitserregern. Zuletzt aufgerufen am 11.10.2024. www.gesetze-im-internet.de
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