Lärmschwerhörigkeit

Lärmschwerhörigkeit

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Was ist Lärmschwerhörigkeit?

Definition

Lärmschwerhörigkeit ist eine Verminderung des Hörvermögens und entsteht durch eine Schädigung der Hörschnecke im Innenohr. Der Hörnerv kann ebenfalls beschädigt werden. Lärmschwerhörigkeit führt oft zu einer dauerhaften Verminderung des Hörvermögens.

Symptome

Lärmschwerhörigkeit bedeutet, dass das Hörvermögen reduziert ist. Allmählich merken die Betroffenen, dass sie schlecht hören, besonders helle Stimmen und hohe Töne. Auch ein Tinnitus (Ohrgeräusch) kann zu Beginn vorkommen. Meistens ist der Hörverlust auf beiden Ohren ähnlich stark.

Ursachen

Lärmschwerhörigkeit entsteht – der Name sagt es – durch laute Geräusche oder Töne. Dabei ist das Geräusch von einer solchen Dauer oder Intensität, dass das Innenohr geschädigt wird. Solch ein Lärmschaden entsteht, wenn die Zellen, die den Schall verarbeiten, absterben. Diese Zellen sitzen in der Hörschnecke im Innenohr und geben die Information weiter an den Hörnerv, der sie wiederum an das Gehirn leitet. Auch der Hörnerv kann geschädigt werden.

Eine kurze, aber heftige Lärmbelastung wie eine Explosion oder ein Schuss kann zu einer vorübergehenden Hörminderung mit Tinnitus führen. Das Hörvermögen erholt sich danach eventuell; nach 48 Stunden ist eine weitere Erholung jedoch unwahrscheinlich – wenn jetzt immer noch eine Hörstörung vorliegt, dann bleibt sie wahrscheinlich bestehen.

Auch wer immer wieder stundenlang anhaltendem Lärm ausgesetzt ist, riskiert eine bleibende Verletzung des Hörorgans, selbst dann, wenn der Lärm nicht ganz so laut ist. Dies ist der Fall, wenn Lärm mit einer Lautstärke von mehr als 85 Dezibel immer wieder ausgehalten werden muss – jahrelang oder gar jahrzehntelang. Zuerst schleicht sich eine Schwerhörigkeit im Hochtonbereich ein, später auch in den niedrigeren Frequenzen.

So eine chronische Lärmbelastung entsteht meistens im Beruf. Auch Musik kann das Ohr beschädigen: Berufsmusiker*innen sind 3-mal häufiger betroffen als der Bevölkerungsdurchschnitt, Club-Besucher*innen sind ebenfalls gefährdet. Wenn das Trommelfell verletzt wird, kann eine vorübergehende Schwerhörigkeit auftreten. Dies gilt vor allem für Schädigungen nach einem Barotrauma, wie es etwa beim Tauchen vorkommt.

Häufigkeit

Es handelt sich um die häufigste anerkannte Berufskrankheit in Deutschland. Die Berufsgenossenschaften melden mehr als 6.000 neue Fälle im Jahr. Lärmschwerhörigkeit kommt heute allerdings seltener vor als früher, weil die Vorbeugung besser geworden ist.

Untersuchungen

Wenn Sie unter subjektivem und messbarem Hörverlust leiden und jahrelang praktisch täglich Lärm ausgesetzt gewesen sind, könnten Sie von Lärmschwerhörigkeit betroffen sein. Nun wird geklärt, ob Sie vor allem hohe Geräusche schwer hören können. Auch ein Tinnitus kann vorliegen. Es wird festgestellt, wie sicher Sie noch ein Flüstern und ein Sprechen verstehen. In der Hausarztpraxis wird außerdem eine Stimmgabel verwendet, um die Art der Hörstörung näher zu bestimmen. Zudem kann geprüft werden, ob die Ursache für Ihre Beschwerden tatsächlich im Innenohr liegt.

In der HNO-Praxis

Das Trommelfell wird in der Facharztpraxis näher untersucht. Außerdem kann eine Audiometrie durchgeführt werden, also eine Messung des Hörvermögens. Eventuell muss eine Versorgung mit einem Hörgerät besprochen werden.

Behandlung

Die Schädigung liegt im Nervensystem und lässt sich nicht rückgängig machen. Allerdings gibt es heutzutage Hörhilfen, die bei einer Hörminderung eingesetzt werden können. IHre Ärztin oder Ihr Arzt kann Sie beraten und über geeignete Hilfsmittel bzw. Hörgeräte informieren. Ein weiterer Hörverlust muss jedoch unbedingt vermieden werden.

Anerkennung als Berufskrankheit

Lärmschwerhörigkeit entsteht meistens am Arbeitsplatz. Keine andere Erkrankung wird häufiger als Berufskrankheit anerkannt.

Autor

  • Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Lärmschaden. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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