Kohlenmonoxidvergiftung

Kohlenmonoxidvergiftung

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Was ist eine Kohlenmonoxidvergiftung?

Definition

Kohlenmonoxid (CO) ist ein geruch-, geschmack- und farbloses Gas, das durch unvollständige Verbrennung von Kohlenwasserstoffen (z. B. Kohle) entsteht. Wer Kohlenmonoxid aufnimmt, der braucht etwa 5 Stunden, um auch nur die Hälfte davon wieder abzuatmen. Während dieser Zeit stören die Kohlenmonoxid-Moleküle den Sauerstofftransport. Es kommt zu einem akuten Sauerstoffmangel.

Symptome

Die Symptome reichen von Verwirrtheit bis zum Koma. Trotz des Sauerstoffmangels färbt sich die Haut nicht blau, sondern nimmt einen typischen rosigen Farbton an.

Leichtere Vergiftungen führen zu Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen sowie einer Aufmerksamkeitsminderung. Atemnot, Brustschmerzen und Verwirrtheit sind möglich.

Schwere Vergiftungen können lebensgefährliche Symptome auslösen:

  • Reflexartige schnelle Atmung durch eine Übersäuerung des Blutes (metabolische Azidose) 
  • Herzrhythmusstörungen
  • Blutdruckabfall
  • Kreislaufversagen
  • Verwirrtheit
  • Krampfanfall
  • Bewusstlosigkeit bis Koma

Symptome nach anfänglicher Besserung: Oft leiden Betroffene an Persönlichkeitsveränderungen oder Bewegungsstörungen. Diese Symptome erscheinen meist innerhalb von 20 Tagen nach der Vergiftung (verzögertes neuropsychiatrisches Syndrom).

Ursachen

Kohlenmonoxid (CO) ist ein besonders gefährliches Gas, denn man kann es nicht riechen, schmecken, sehen oder sonst irgendwie wahrnehmen. Es entsteht bei der unvollständigen Verbrennung von organischen Kohlenwasserstoffen wie Kohle, Erdgas und Erdöl.

Es gibt einige Kohlenmonoxid-Quellen:

  • Häufig vergiften sich Personen mit Kohlegrills, etwa in Innenräumen.
  • Weitere Quellen sind Brände, leckende Öfen, Autoabgase und benzinbetriebene, tragbare Stromaggregate.
  • In einigen Fällen vergiften sich die Betroffenen in Suizidabsicht.
  • Auch ohne Vergiftung kann das Blut Kohlenmonoxid enthalten. Nichtraucher*innen erreichen bis zu 3 %, Raucher*innen 10–15 %.

Über die Lunge gelangt das Gas schnell ins Blut. Die Gasmoleküle verbinden sich mit den Hämoglobin-Molekülen (Hb) der roten Blutkörperchen – also genau den Molekülen, die den Sauerstoff zu den Organen bringen. Kohlenmonoxid bindet bis zu 300-fach stärker an Hämoglobin als Sauerstoff.

Bei einer Vergiftung transportiert das Blut zu viel Kohlenmonoxid und zu wenig Sauerstoff. Es kommt zu einem Sauerstoffmangel (Hypoxie), der für alle Organe gefährlich ist – besonders aber für diejenigen mit dem höchsten Bedarf: Herz und Gehirn. Ein geschädigtes Herz pumpt wiederum weniger Blut durch den Körper – dadurch kommt noch weniger Sauerstoff an.

Kohlenmonoxid verursacht nicht nur einen Sauerstoffmangel, sondern schädigt den Körper auch, indem es z. B. Blutplättchen (Thrombozyten) aktiviert. Es führt außerdem dazu, dass Flüssigkeit aus dem Blut in die Lungen übertritt und sich dort sammelt (Lungenödem).

Häufigkeit

Seit Anfang der 1990er Jahre sinkt die Zahl der Todesfälle durch Kohlenmonoxid, einschließlich der Suizide. Dennoch sind Kohlenmonoxidvergiftungen die häufigste Vergiftungsursache in Deutschland.

Untersuchungen

Einige Menschen messen zu Hause selbst ihre Sauerstoffsättigung mit einem Pulsoxymeter. Normale Pulsoxymeter zeigen trotz der Vergiftung hohe Sauerstoffwerte an – verlassen Sie sich bei einem Verdacht niemals auf ein handelsübliches Pulsoxymeter!

In der Hausarztpraxis

Eine Vergiftung liegt wahrscheinlich vor bei mehr als 10 % Kohlenmonoxid-Hämoglobin (CO-Hb) oder bei Symptomen nach dem Einatmen von Kohlenmonoxid. Auf folgende Dinge achtet man:

  • Symptome: Besonders oft kommt es zu einer verringerten Aufmerksamkeit (Vigilanzminderung).
  • CO-Pulsoxymetrie: Man kann das CO-Hb messen. Dies geschieht mit einem speziellen Pulsoxymeter, das Kohlenmonoxid von Sauerstoff unterscheiden kann. So ein CO-Pulsoxymeter ist allerdings nicht routinemäßig in Praxen verfügbar.
  • EKG: Man macht ein EKG, um die Herzfunktion untersuchen.

Einweisung ins Krankenhaus

Falls Sie Symptome haben, werden Sie notfallmäßig in eine Klinik eingewiesen. Wenn Sie keine Symptome haben, erhalten Sie eine Einweisung bei mehr als 5 % CO-Hb; falls Sie rauchen, ab 10 %. Besonders bei Kindern und Schwangeren kann eine Einweisung auch ohne Symptome sinnvoll sein.

  • Blutgasanalyse (BGA): Eine Blutentnahme erlaubt Aussagen über den CO-Hb-Wert, den Säure-Basen-Haushalt und eine mögliche Herzschädigung.
  • Herzüberwachung am Monitor
  • Eine Computertomografie (CT) des Gehirns ist bei neuropsychiatrischen Auffälligkeiten sinnvoll.
  • Neuropsychiatrische Tests helfen bei der Beurteilung der Hirnfunktionen.
  • Röntgenbilder macht man, um andere Lungenerkrankungen auszuschließen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT) bei einem Verdacht auf ein Hirnödem

Behandlung

Zuerst müssen Sie unbedingt Abstand von der Kohlenmonoxid-Quelle gewinnen. Anschließend erhalten Sie Sauerstoff. Dadurch lässt meist auch die Übersäuerung nach.

Sauerstoff-Inhalation

Bei Werten unter 20 % CO-Hb genügt eine einfache Sauerstoff-Inhalation.

Hyperbare Sauerstoff-Therapie („Druckkammer”)

Die Behandlung erfolgt bei höheren CO-Hb-Werten. Sie erhalten 100 % Sauerstoff bei erhöhtem Umgebungsdruck. Mit 100-prozentigem Sauerstoff atmet man hier in etwa 30 Minuten die Hälfte des CO ab – 10-mal so schnell wie bei Normaldruck unter Umgebungsluft. Allerdings kann diese Behandlung zu Komplikationen führen.

Es erfolgen möglichst drei Durchgänge, wobei jeder Durchgang 90 Minuten dauert. Zugleich werden Sie intensivmedizinisch behandelt. Später führt man erneut mehrere Durchgänge durch.

Anerkennung als Berufskrankheit

Wiederkehrende Vergiftungen bei der Arbeit können Sie als Berufskrankheit anerkennen lassen. Dafür sind die gesetzlichen Unfallversicherungsträger zuständig. Den Verdacht müssen Sie oder Ihre behandelnden Ärzt*innen dort melden.

Die Versicherungsträger übernehmen die Kosten für Schutzvorrichtungen und spezielle therapeutische Maßnahmen. Sie tragen aber auch die Kosten bei einer Einstellung der gefährdenden Tätigkeit und bei einer Minderung der Erwerbsfähigkeit bis zur Zahlung einer Rente. In manchen Fällen muss man die Tätigkeit für eine Anerkennung vollständig aufgeben. 

Autor

  • Vincent Kranz, Cand. med., Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Kohlenmonoxidvergiftung. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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