Hamstring-Verletzung (Muskelverletzung an der Oberschenkelrückseite)
Hamstring-Verletzung (Muskelverletzung an der Oberschenkelrückseite)
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Was ist eine Hamstring-Verletzung?
Definition
Eine Hamstring-Verletzung betrifft die sog. ischiokrurale Muskulatur, eine Muskelgruppe auf der Rückseite des Oberschenkels. Sie beugt das Knie und streckt die Hüfte. Bei starker Belastung können die Muskeln dieser Muskelgruppe teilweise oder ganz reißen.
Klassifikation
Hamstring-Verletzungen werden hinsichtlich ihrer Ausprägung nach der British Athletics Muscle Injury Classification eingeteilt. Die Schweregrade reichen von einer leichten Verletzung, bei der nur wenige Muskelfasern abgerissen wurden, bis zu einem vollständigen Abreißen der Muskulatur an der Oberschenkelrückseite:
- Grad 1: Kleiner Riss von weniger als 5 cm Länge, der weniger als 10 % des Muskels/der Sehne betrifft.
- Grad 2: Moderater Riss von 5–15 cm Länge, der zwischen 10 und 50 % des Muskels/der Sehne betrifft.
- Grad 3: Großer Riss von mehr als 15 cm Länge, der mehr als die Hälfte des Muskels/der Sehne betrifft.
- Grad 4: kompletter Riss
- Sonderfall Avulsionsfraktur: knöcherne Abrissfraktur am Sitzbeinhöcker (Tuber ischiadicum)
Symptome
Wichtigstes Merkmal der Verletzung ist ein plötzlich einschießender, stechender Schmerz in die Oberschenkelrückseite. Die Fortsetzung der sportlichen Aktivität ist nicht mehr möglich. Bei einer ausgeprägten Muskelverletzungen kann sich anschließend ein Hämatom (Bluterguss) bilden.
Bei einer Abrissfraktur kommen zudem Schmerzen beim Sitzen hinzu.
Wenn eine chronisch-degenerative Muskelverletzung durch wiederholte Mikrotraumata (z. B. durch häufiges, exzessives Dehnen bei Turner*innen) vorliegt, beginnen die Beschwerden meist schleichend: Die Muskelfunktion nimmt ab, es treten belastungsabhängige Beschwerden auf.
Ursachen
Die ischiokrurale Muskulatur an der Oberschenkelrückseite beugt das Knie und streckt die Hüfte. Verletzungen entstehen bei übermäßiger Belastung und vor allem in Sportarten mit raschen, kräftigen Bewegungsabläufen wie z. B. Kurzstreckenlauf oder Fußball:
- Ca. 50 % der Verletzungen entstehen beim Sprint, wenn die Muskulatur an der Oberschenkelrückseite in der Beschleunigungsphase explosiv angespannt wird. Hierbei ist der Riss meist im Übergang zwischen Muskeln und Sehne gelegen.
- Die anderen 50 % der Verletzungen durch eine Überdehnung der rückseitigen Oberschenkelmuskulatur, z. B. beim plötzlichen Abbremsen mit Ausfallschritt oder Schussbewegung beim Fußball. In diesem Fall befindet sich der Riss meist im Bereich der Sehne.
- In seltenen Fällen kann zudem eine chronisch degenerative Muskelverletzung durch wiederholte Mikrotraumata vorliegen. Dies betrifft klassischerweise Tänzer*innen und Turner*innen, die sich häufig und lange in extremen Positionen dehnen.
- Eine Abrissfraktur kann es insbesondere durch eine starke Hüftbeugung in Kombination mit Kniestreckung kommen.
Risikofaktoren
- Vorangegangene Hamstring-Verletzung, vor allem bei unzureichender Rehabilitation: Die Rückfallrate beträgt bis zu 68 %.
- Höheres Alter der Sportler*innen
- Weitere mögliche Risikofaktoren, für die derzeit jedoch keine eindeutigen wissenschaftlichen Belege vorliegen: geringe Beweglichkeit und Dehnbarkeit der Muskulatur, nicht ausreichende Muskelkraft, Erschöpfung, geringe Rumpfstabilität.
Häufigkeit
Die Hamstring-Verletzung ist die häufigste akute Sportverletzung, die ohne Körperkontakt auftritt, vor allem bei Sportarten mit vielen Sprints (z. B. Fußball und Leichtathletik). Für Fußball gelten beispielsweise folgende Verletzungsraten:
- Frauen: 0,3–0,5 Verletzungen pro 1.000 gespielten Stunden Fußball
- Männer: 0,3–1,9 Verletzungen pro 1.000 gespielten Stunden Fußball
Untersuchungen
In der Hausarztpraxis
- Untersuchung des Oberschenkels
- Abtasten: Bei einer größeren Muskelverletzung ist eine Lücke in der Muskulatur ertastbar.
- Funktionsprüfung des betroffenen Beins
- Ultraschalluntersuchung, um das Ausmaß der Muskelverletzung darzustellen.
Bei Spezialist*innen
Zur Beurteilung des Schweregrades kann sich bei Leistungssportler*innen eine MRT-Untersuchung anschließen. Auf diese Weise lässt sich das Rehabilitationsprogramm individuell anpassen.
Bei Verdacht auf eine Abrissfraktur erfolgt generell eine MRT-Untersuchung sowie die Überweisung an eine orthopädische Praxis.
Behandlung
Behandlungsziel
Ziel der Behandlung ist es, dass die Verletzung vollständig ausheilt und erneuten Verletzungen vorgebeugt wird. In der Regel ist die konservative Behandlung ausreichend.
Akutbehandlung
Die Verletzung sollte schnellstmöglich mit einer Kombination aus Pause, Eis, Kompression und Hochlagerung (sog. PECH-Prinzip) behandelt werden. Ziel ist, Einblutungen in die Verletzungsstelle zu verringern.
- Pause: Beenden Sie die sportliche Belastung und verwenden Sie für ca. 2 Tage Unterarmgehstützen, um das Bein zu entlasten.
- Eis: Kühlen Sie die Verletzung für mindestens 48 Stunden.
- Kompression mit einem elastischen Wickelverband
- Hochlagerung des verletzten Beines
Medikamente
Entzündungshemmende und schmerzstillende NSAR (z. B. Diclofenac, Ibuprofen und Paracetamol) werden nicht empfohlen, da sie den Heilungsprozess verzögern können.
Konservatives Rehabilitationsprogramm
- Lauftraining: Frühzeitig, sobald Laufen möglich ist. Wichtig sind Schmerzfreiheit und eine langsame Steigerung der Belastung. Für den Beginn gilt:
- Verletzung Grad 1: nach 2–5 Tagen
- Verletzung Grad 2: nach 5–14 Tagen
- Verletzung Grad 3: nach 2–6 Wochen
- Dehnübungen: idealerweise 4 x täglich Dehnübungen des betroffenen Bereiches
- Krafttraining:
- Übungen zur Rumpfstabilisierung bereits in den ersten Tagen nach der Verletzung
- im späteren Rehabilitationsverlauf sog. exzentrische Übungen (spezielle Form des Krafttrainings) für die rückseitigen Oberschenkelmuskeln sowie für Hüft- und Kniegelenke
- Nordic Hamstring Exercise (s. u.)
- Eigenbluttherapie: Die Gabe von thrombozytenreichem Plasma direkt in die verletzte Muskulatur hat möglicherweise schnellere Rehabilitation, Schmerzlinderung und verringerte Rückfallrate zur Folge. Eindeutige Studienergebnisse liegen bislang nicht vor.
- Return-to-play-Testung: isometrische Kraftmessung der rückseitigen Oberschenkelmuskeln; wenn die Differenz weniger als 10 % im Vergleich zum gesunden Bein beträgt, können Betroffene den sportlichen Spielbetrieb wieder aufnehmen.
Operation
Operationen sind meist bei Abrissfrakturen und vollständigen Rissen erforderlich. Die Operation sollte frühzeitig erfolgen, um eine Veränderung des Sehnengewebes sowie Narbenbildung zu verhindern.
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