Gastroösophageale Refluxkrankheit bei Kindern

Gastroösophageale Refluxkrankheit bei Kindern

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Was ist die gastroösophageale Refluxkrankheit?

Definition

Von gastroösophagealer Refluxkrankheit spricht man, wenn Mageninhalt zurück in die Speiseröhre fließt und sich dadurch die Speiseröhre entzündet, Schmerzen entstehen oder wenn es bei Säuglingen zu einer Verzögerung in der körperlichen Entwicklung kommt.

Bei Säuglingen und kleinen Kindern ist es allerdings schwierig, einen krankhaften Reflux von einem normalen Reflux zu unterscheiden. Reflux ist bei Kindern im Alter von 2 Wochen bis zu 1 Jahr sehr häufig.

Symptome

Bei Säuglingen treten erste Symptome meist zwischen der 2. und 8. Lebenswoche auf. Es kommt zum Erbrechen, zum Rückfluss von Speisebrei aus dem Magen in den MFallund, zu häufigem Schreien und Nahrungsverweigerung. Nur gelegentliches Erbrechen oder feuchtes Aufstoßen ist aber normal.

Die Beschwerden älterer Kinder ähneln denen von Erwachsenen: Sodbrennen, Brennen in der Speiseröhre und Rachen, Rückfluss von Mageninhalt in den Mund oder auch asthmatische Beschwerden. Durch den sauren Speisebrei kann auch Karies entstehen.

Ursachen

  • Hauptursache bei Kindern ist ein geschwächter oder unausgereifter Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen, der nicht verhindert, dass Mageninhalt vom Magen wieder zurück in die Speiseröhre gelangt. Ein Grund dafür kann ein erhöhter Druck im Bauchraum sein, z. B. im Säuglingsalter durch Überfütterung, bei älteren Kindern auch durch Übergewicht.
  • Eine übermäßige Ausdehnung des Magens infolge großer Mahlzeiten
  • Seltenere Ursachen sind:
    • Eine vergrößerte Öffnung des Zwerchfells, dadurch kann der Magen teils oberhalb des Zwerchfells liegen.
    • Eine Fehlfunktion der Speiseröhre oder des Magens, sodass die Nahrung nicht richtig weitertransportiert wird.
  • Noch nicht abschließend geklärt ist, ob Reflux auch eine Folge von Atemwegserkrankungen sein könnte oder diese vielmehr erst durch Refluxsymptome entstehen.
  • Risikofaktoren: Frühgeburt, Übergewicht, angeborene Fehlbildungen, Nervenerkrankung oder andere Fälle in der Familie

Häufigkeit

Bei 40–60 % aller Säuglinge tritt im ersten Lebensjahr ein Reflux auf. Besonders betroffen sind frühgeborene Säuglinge und solche mit Entwicklungsstörungen, Lungenerkrankungen und neurologischen Leiden. Bestehen keine zusätzlichen Beschwerden, ist ein gewisser Reflux aber normal und nicht krankhaft. Auch ohne Behandlung sind im Alter von 12 Monaten fast alle Kinder wieder symptomfrei.

Bei älteren Kindern liegt die Häufigkeit von Refluxsymptomen bei 2–8 %.

Untersuchungen

In der Hausarztpraxis

  • Bei Säuglingen und Kleinkindern ist es aufgrund der unspezifischen Symptome nicht einfach, eine Diagnose zu stellen. Auch gibt es keine Laboruntersuchungen, die eine gastroöphageale Refluxkrankheit nachweisen können. Das Hauptaugenmerk liegt darauf, gefährliche Warnzeichen für eine schwerwiegende Erkrankung zu erkennen.
  • Das Kind wird in jedem Fall eingehend körperlich untersucht. Und es wird erfragt, wie häufig und wann die Symptome auftreten, wie und in welcher Frequenz das Kind gestillt oder gefüttert wird und ob Allergien in der Familie aufgetreten sind. Wichtig ist insbesondere, dass eine mögliche Verzögerung der körperlichen Entwicklung rechtzeitig erkannt wird. Oder ob womöglich eine Blockade des Darms für die Symptome verantwortlich ist.
  • Etwas einfacher ist eine Diagnose bei älteren Kindern und Jugendlichen, da ihre Symptome – vor allem Sodbrennen und Rückfluss von Nahrungsbrei in den Mund – denen von Erwachsenen ähneln.

Bei Spezialist*innen

  • Kommt es zu schweren Symptomen, wird oft eine Überweisung zu Fachärzt*innen für das Verdauungssystem (Gastroenterolog*innen) ausgestellt. Zur Sicherung eines Refluxes ist vor allem eine Messung des Säurewerts in der Speiseröhre wichtig. Dafür wird ein dünner Katheter über die Nase in die Speiseröhre eingeführt und für 24 Stunden dort belassen. Der Katheter misst laufend den pH-Wert, um festzustellen, ob der Säuregehalt in der Speiseröhre zu hoch ist.
  • Um den Verdacht auf andere schwerwiegende Erkrankungen auszuschließen, kann gegebenenfalls eine Magenspiegelung, eine Röntgen- oder Ultraschalluntersuchung in Erwägung gezogen werden.
  • Eine Überweisung in ein Krankenhaus kann nötig werden, wenn Symptome bei einem Säugling schon vor der 2. Lebenswoche auftreten oder sie länger als 12 Monate anhalten. Ebenso, wenn das Kind an Gewicht verliert und sich nicht altersgemäß entwickelt, oder der Verdacht auf andere zugrunde liegende Krankheiten besteht.

Behandlung

Bei Säuglingen und Kleinkindern mit unproblematischem Reflux ist keine Behandlung erforderlich, selbst wenn sie häufiger erbrechen oder feucht aufstoßen. Die Symptome verschwinden in der Regel von allein wieder. Wichtig ist, dass sie sich normal entwickeln.

Es geht bei einer Behandlung vor allem darum, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Dafür sind zunächst eine Anpassung der Ernährung und Änderungen im Alltagsleben wichtig (siehe Abschnitt Was können Sie selbst tun?). 

Medikamente

Insbesondere bei Säuglingen sollten in der Regel keine Medikamente gegeben werden. Nur in wenigen Ausnahmefällen – bei erheblichem Reflux, der zweifelsfrei nachgewiesen ist – können unter Aufsicht von Spezialist*innen zeitweise Präparate gegeben werden, die die Produktion von Magensäure hemmen.

Bei älteren Kindern und Jugendlichen ab ca. 12 Jahren können, wenn die Veränderungen im Alltag keine Besserung herbeigeführt haben, für 4–8 Wochen spezielle Medikamente (Protonenpumpeninhibitoren) gegeben werden, die die Entstehung von Magensäure hemmen. Andere Medikamente sollten nicht verabreicht werden.

Operation

Wenn Änderungen im Alltagsleben und Medikamente nicht weiterhelfen, kann in Einzelfällen nach einer exakten Diagnosestellung ein chirurgischer Eingriff sinnvoll sein. Dabei wird ggf. der Zwerchfellbruch verschlossen oder der obere Teil des Magens manschettenartig um den unteren Teil der Speiseröhre gelegt und vernäht. Das verhindert den Reflux in die Speiseröhre. Die Operation hat eine hohe Erfolgsquote von rund 85 % für den Reflux.

Autor

  • Claus Peter Simon, Wissenschaftsjournalist, Hamburg

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Gastroösophageale Refluxkrankheit bei Kindern. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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