Extrasystolen

Extrasystolen

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed. Mehr erfahren

Herz, elektrisches Leitungssystem

169-herz-leitungssystem.jpg
Leitungssystem des Herzens

Das Herz ist ein kräftiger Muskel, der rhythmisch kontrahiert. Die Herzaktivität wird durch elektrische Signale (Impulse) gesteuert. Das sogenannte Leitungssystem des Herzens (siehe Abbildung) sorgt dafür, dass diese Impulse den gesamten Muskel erreichen. Normalerweise handelt es sich dabei um einen kleinen Bereich im rechten Herzvorhof, den Sinusknoten (Sinuatrialknoten), der die elektrischen Impulse steuert. In Ruhe gibt der Sinusknoten etwa 60–70 elektrische Impulse pro Minute ab, die sich über das Herz fortpflanzen. Vom Sinusknoten gelangen die Impulse zunächst zu den beiden Herzvorhöfen und zu einem Bereich, der sich am Übergang zwischen den Herzvorhöfen und Herzkammern befindet und AV-Knoten (Atrioventrikularknoten) genannt wird. Vom AV-Knoten wird der Impuls über das zwischen der rechten und linken Herzkammer befindliche Septum (Scheidewand) weitergeleitet. Der erste Teil dieses Leitungswegs wird als His-Bündel bezeichnet. Er spaltet sich in einen rechten und linken Zweig. Von diesen Zweigen verbreitet sich der Impuls zur Muskulatur der rechten bzw. linken Herzkammer.

Herzschlag

Der Herzschlag besteht aus zwei Kontraktionen des Herzmuskels. Zunächst ziehen sich die Herzvorhöfe zusammen, damit das Blut aus den Vorhöfen in die Herzkammern gedrückt wird. Danach kontrahieren die Herzkammern. Dabei werden die Herzklappen zu den Herzvorhöfen geschlossen, um einen Rückstrom in die Vorhöfe zu verhindern. Gleichzeitig öffnen sich die Herzklappen der rechten und linken Herzkammer, um das Blut in den kleinen Kreislauf (Lungenkreislauf) und den großen Kreislauf (Körperkreislauf) zu pumpen. Der Herzschlag wird von den elektrischen Impulsen gesteuert. Breitet sich der Impuls vom Sinusknoten in die Herzvorhöfe aus, zieht sich die Vorhofmuskulatur zusammen. Erreicht der Impuls die Herzkammerwände, kontrahiert die Herzkammermuskulatur.

Was sind Extrasystolen?

Manchmal können vorübergehende zusätzliche Schläge zu spüren sein. Dabei handelt es sich in den seltensten Fällen um ein gravierendes Problem. Es gilt als weitgehend normales Phänomen.

Bei Extrasystolen handelt es sich um einen zusätzlichen Herzschlag zwischen zwei normalen Herzschlägen. Dies wird häufig als Herzstolpern empfunden. Diese zusätzlichen Schläge treten auf, bevor sich die Herzkammern nach einem normalen Herzschlag wieder vollständig mit Blut gefüllt haben. Mit diesem Herzschlag wird ein wenig Blut herausgepumpt. Der Herzschlag ist schwach, wenn er überhaupt zu spüren ist. Der zusätzliche Herzschlag wird von einer Pause gefolgt. Währenddessen füllen sich die Herzkammern mit mehr Blut als sonst. Durch das Herauspumpen des Bluts aus den Herzkammern fühlt sich der folgende Herzschlag stärker als normal an. Dieser kräftigere Herzschlag wird als Herzstolpern wahrgenommen.

Wie entstehen Extrasystolen?

Zu einer sogenannten Extrasystole kommt es, wenn ein anderer Bereich als der Sinusknoten einen elektrischen Impuls auslöst. Dieser Bereich kann sich im Herzvorhof befinden. Dann wird von einer supraventrikulären Extrasystole (SVES) gesprochen. Wird die Extrasystole in den Herzkammern ausgelöst, spricht man von einer ventrikulären Extrasystole (VES). Ab und zu kann ein solcher ungewöhnlicher Taktgeber Salven von Extrasystolen auslösen, d. h., es erfolgen mehrere schnelle Extraschläge hintereinander.

Wird ein solcher zusätzlicher Schlag beim EKG aufgezeichnet, lässt sich schnell feststellen, ob es sich um eine supraventrikuläre oder ventrikuläre Extrasystole handelt.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Supraventrikuläre Tachykardie. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

  1. Katritsis D, Boriani G, Cosio F, et al. European Heart Rhythm Association (EHRA) consensus document on the management of supraventricular arrhythmias. Eur Heart J 2017; 19: 465-511. doi:10.1093/europace/euw301 academic.oup.com
  2. Brugada J, Katritsis D, Arbelo E, et al. 2019 ESC Guidelines for the management of patients with supraventricular tachycardia. Eur Heart J 2019; 00: 1-66. doi:10.1093/eurheartj/ehz467 academic.oup.com
  3. Lam A, Roten L. Supraventrikuläre Tachykardien. Schweiz Med Forum 2018; 18: 1028-1036. doi:10.4414/smf.2018.03438 DOI
  4. Orejarena LA, Vidaillet H Jr, DeStefano F, et al. Paroxysmal supraventricular tachycardia in the general population. J Am Coll Cardiol 1998; 31: 150-7. PubMed
  5. Kleemann T. Supraventrikuläre Tachykardien. Herz 2023; 48: 72-86. doi:10.1007/s00059-022-05153-3 DOI
  6. Gugneja M. Paroxysmal supraventricular tachycardia. Medscape, last updated Apr 05, 2017. Zugriff 21.04.19. emedicine.medscape.com
  7. Forkmann M, Schwab C, Busch S. Katheterablation bei supraventrikulären Tachykardien. Herzschr Elektrophys 2019; 30: 336-342. doi:10.1007/s00399-019-00654-x DOI
  8. Whinetti ZI, Sohaib SM, Davies DW. Diagnosis and management of supraventricular tachycardia. BMJ 2012; 345: e7769. www.ncbi.nlm.nih.gov
  9. Link M. Evaluation and Initial Treatment of Supraventricular Tachycardia. New Engl J Med 2012; 367: 1438-48. doi:10.1056/NEJMcp1111259 DOI
  10. Sosalla S, Vollmann D. Die inadäquate Sinustachykardie. Dtsch Med Wochenschr 2015; 140: 603-607. doi:10.1055/s-0041-101620 DOI
  11. Gramlich M. Supraventrikuläre Herzrhythmustörungen. eMedpedia, publiziert am 18.08.22, Zugriff 15.04.24. www.springermedizin.de
  12. Leitz P, Dechering D, Kirchhof P, et al. Supraventrikuläre Tachykardien: In der Regel gutartig. Dtsch Arztebl 2015; 112: 16-19. doi:10.3238/PersKardio.2015.09.18.04 DOI
  13. Thomas D, Eckardt L, Estner H, et al. Herzschr Elektrophys. Typisches Vorhofflattern 2016; 27: 46-56. doi:10.1007/s00399-016-0413-y DOI
  14. Kottmaier M, Bourier F, Busch S, et al. Atypisches Vorhofflattern. Herzschr Elektrophys 2022; 33: 341-350. doi:10.1007/s00399-022-00887-3 DOI
  15. Alken F, Scherschel K, Zhu E, et al. Langzeitergebnisse der Katheterablation bei AV-Knoten-Reentry-Tachykardien und akzessorischen Leitungsbahnen. Herzschr Elektrophys 2023; 34: 278-285. doi:10.1007/s00399-023-00965-0 DOI
  16. Akhtar M, Jazayeri MR, Sra J, et al. Atrioventricular nodal reentry. Clinical, electrophysiological, and therapeutic considerations. Circulation 1993; 88: 282-95. www.ncbi.nlm.nih.gov
  17. Helton M. Diagnosis and Management of Common Types of Supraventricular Tachycardia. Am Fam Physician 2015; 92: 793-802. www.aafp.org
  18. Klinge R. Das Elektrokardiogramm, 10. Auflage. Stuttgart/New York: Georg Thieme Verlag, 2015.
  19. Rudic B, Borggrefe M. Historische Entwicklung in Diagnostik und Therapie bei Präexzitationssyndromen (WPW). Herzschr Elektrophys 2024; 35: S118-S126. doi:10.1007/s00399-024-01000-6 DOI
  20. Hessling G, Telishevska M, Lengauer S, et al. „Asymptomatisches WPW“ Bedarf es einer Therapie? Herzschr Elektrophys 2023; 34: 114-121. doi:10.1007/s00399-023-00930-x DOI
  21. Raviele A, Giada F, Bergfeldt l, et al. Management of patients with palpitations: a position paper from the European Heart Rhythm Association. Europace 2011; 13: 920–934. doi:10.1093/europace/eur130 DOI
  22. Zimmermann S, Böckl M, Westphal J, et al. Nur eine Panikattacke? Notfall Rettungsmed 2023; 26: 372–374. doi:10.1007/s10049-022-01103-y DOI
  23. Seipel L, de Haan F. Wie alles begann: die Entwicklung der klinischen Elektrophysiologie in Deutschland. Herzschr Elektrophys 2024; 35: S3-S4. doi:10.1007/s00399-024-01002-4 DOI
  24. Höltgen R, Bandorski D, Bogossian H, et al. Notfallmanagement supraventrikulärer regelmäßiger Tachykardien. Herzschr Elektrophys 2020; 31: 10-19. doi:10.1007/s00399-020-00673-z DOI
  25. Hindricks G, Hoffmann E, Kuck K, et al. Kommentar zu den Leitlinien (2019) der ESC für die Behandlung supraventrikulärer Tachykardien. Kardiologe 2021; 15: 194-200. doi:10.1007/s12181-020-00429-6 DOI
  26. Hindricks G, Tscholl V, Dagres N, et al. Herzschr Elektrophys. Entwicklung der Katheterablation supraventrikulärer Tachykardien unter besonderer Berücksichtigung der Beiträge deutscher Ingenieure und Elektrophysiologen 2024; 35: S110–S117. doi:10.1007/s00399-024-01009-x DOI
  27. Appelboam A, Reuben A, Mann C, et al. Postural modification to the standard Valsalva manoeuvre for emergency treatment of supraventricular tachycardias (REVERT): A randomised controlled trial. Lancet 2015. DOI: 10.1016/S0140-6736(15)61485-4 DOI
  28. Than M, Peacock W. Supraventricular tachycardia: back to basics. Lancet 2015; 386: 1712. www.awmf.org
  29. Honarbakhsh S, Baker V, Kirkby C, et al. Safety and efficacy of paramedic treatment of regular supraventricular tachycardia: a randomised controlled trial. Heart 2017; 103(18): 1413-1418. pmid:27613170 PubMed
  30. Strzelczyk E, Lewalter T, Nitschmann S. Etripamil bei Atrioventrikularknoten-abhängiger supraventrikulärer Tachykardie. Innere Medizin 2024; 65: 88-89. doi:10.1007/s00108-023-01623-w DOI
  31. European Society of Cardiology. Guidelines for the management of patients with ventricular arrhythmias and the prevention of sudden cardiac death. Stand 2022. academic.oup.com
Logo von Deximed

Dieser Artikel wird Ihnen bereitgestellt von Deximed.
Lesen Sie hier den vollständigen Originalartikel.

Die Inhalte auf team-praxis.de stellen keine Empfehlung bzw. Bewerbung der beschriebenen Methoden, Behandlungen oder Arzneimittel dar. Sie ersetzen nicht die fachliche Beratung durch eine*n Ärzt*in oder Apotheker*in und dürfen nicht als Grundlage für eine eigenständige Diagnose und Behandlung verwendet werden. Konsultieren Sie bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden immer Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!
Lesen Sie dazu mehr in unseren Haftungshinweisen.

In unserer Gesundheitsdatenbank suchen

Inhaltsverzeichnis anzeigen

Wissenswertes aus den hausärztlichen Praxen

Stopp
Gesundheit
Wissen, wann genug ist

Über Suchterkrankungen sprechen die meisten Menschen nicht gern.


Zum Beitrag
Heuschnupfen
Gesundheit
Juckende Augen und triefende Nasen: Hilfe bei Heuschnupfen

Leichte Symptome lassen sich oft durch einfache Maßnahmen lindern.


Zum Beitrag
Frau mit Hitzewallung
Gesundheit
Sind das die Wechseljahre?

Warum die Wechseljahre auch in der hausärztlichen Praxis Thema sind


Zum Beitrag

Kontaktieren Sie uns

Haben Sie Fragen zu den hausärztlichen Praxen?fragen@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Haben Sie Fragen zum Hausarztprogramm?hausarztprogramm@team-praxis.de

Zum Kontaktformular

Möchten Sie eine detaillierte Beratung zum Programm?Dann rufen Sie uns an.

Jetzt anrufen
TeamPraxisHausärtzinnen- und Hausärzteverband

TeamPraxis ist das Portal der hausärztlichen Praxen in Deutschland. Denn Gesundheit ist Teamsache.

Sie sind Ärzt*in und haben Interesse am Hausarztprogramm?
Informieren Sie sich unter www.hzv.de.