Ernährung bei übergewichtigen Kindern

Ernährung bei übergewichtigen Kindern

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Allgemeines zur Therapie übergewichtiger Kinder

Um Übergewicht bei Kindern zu bestimmen, werden keine fixen Werte für den Body-Mass-Index (BMI), sondern alters- und geschlechtsabhängige BMI-Perzentile angewendet. Wiegt ein Kind deutlich mehr als die meisten seiner Altersgenoss*innen, ist es übergewichtig oder sogar adipös. Kinderärzt*innen beurteilen das Körpergewicht bei jeder Untersuchung und können an definierten Tabellen ablesen, ob ein Kind übergewichtig ist oder nicht. Bei Kindergartenkindern, die zu viel wiegen, ist es meist ausreichend, allgemein auf eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung zu achten: Mit dem Wachstum reguliert sich das Körpergewicht des Kindes meist von selbst. Bei älteren Kindern und v. a. bei solchen, die zusätzliche Krankheiten (etwa Diabetes oder Bluthochdruck) haben, ist hingegen in der Regel ein genaues und langfristig angelegtes Konzept nötig, das neben der Information über eine ausgewogene Ernährung auch praktische Tipps für die Mahlzeiten sowie in jedem Fall einen Plan für mehr körperliche Aktivität beinhaltet. Erst in schweren Fällen kommen nach erfolgloser Umstellung der Ernährung und Sport ggf. andere Verfahren wie Medikamente, selten bei größeren Kindern sogar eine Magenverkleinerung infrage.

Grundsätzlich gilt für die Umstellung der Ernährung (nach der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter):

  • Da eine bloße Umstellung der Ernährung meist nur geringfügige Langzeiterfolge zeigt, sollte diese stets mit einem Sportprogramm und einer Verhaltenstherapie kombiniert werden.
  • Zudem ist möglichst die ganze Familie in die Therapie einzubeziehen, da diese dann eher zum Erfolg führt.
  • Mit einer Ernährungsberatung und -therapie lässt sich erreichen, dass das Kind mehr Obst und Gemüse und weniger Süßigkeiten und fetthaltige Nahrungsmittel isst sowie eher kalorienarme Getränke trinkt.
  • Eine ausgewogene Diät mit sehr geringer Kalorienzahl kann in bestimmten Situationen (unter intensiver fachlicher Anleitung) sinnvoll sein. In den meisten Fällen führt dies auch zu einer raschen Gewichtsabnahme, hat jedoch häufig keinen langfristigen Effekt.
  • Expert*innen raten von einer stark eingeschränkten bzw. einseitigen Diät (hier gibt es verschiedene Varianten) oder „Heilfasten“ für Kinder und Jugendliche ab, da dies gesundheitliche Probleme nach sich ziehen kann und ebenfalls keinen anhaltenden Effekt hat.

Tipps für eine Umstellung der Ernährung

Ist ein Kind übergewichtig, ist es hilfreich, sich bei Kinderärzt*innen und Ernährungsberater*innen genau über eine gesunde und ausgewogene Ernährung beraten zu lassen. In der Regel ist eine solche Therapie über viele Jahre nötig, regelmäßige ärztliche Kontrollen inklusive. Diese Beratung und Begleitung durch Ärzt*innen und andere Expert*innen ist auch deshalb wichtig, weil eine Ernährungstherapie (wie jede andere Behandlung) auch zu unerwünschten Wirkungen führen kann, etwa zu ungesundem Essverhalten, Jojo-Effekten und psychischen Problemen, wenn das Thema Übergewicht zu sehr in den Fokus rückt.

Im Folgenden finden Sie einige allgemeine Hinweise, die aber ein Gespräch mit Expert*innen nicht ersetzen. Ganz allgemein gilt: Ihr Kind sollte reichlich zuckerfreie Getränke trinken und Obst/Gemüse essen, mäßig viele tierische Produkte zu sich nehmen und sehr sparsam mit Süßigkeiten und fetthaltigen Nahrungsmitteln sein. Zu empfehlen sind regelmäßige Mahlzeiten, die in den Familienalltag gut zu integrieren sind. Damit Kleinkinder den Umgang mit Essen erlernen, sollten sie regelmäßig Mahlzeiten erhalten, z. B. 3 Hauptmahlzeiten und 2 Zwischenmahlzeiten. Ansonsten sollte das Kind am besten nicht essen.

Um die Ernährungsumstellung besser umsetzen zu können, stehen als Beispiele Ernährungspläne für eine Woche zur Verfügung, an denen sich Eltern orientieren können. Wenn Sie oder Ihr Kind regelmäßig ein Tagebuch über die Ernährung führen, kann dies zu einer besseren Kontrolle der Behandlung beitragen.

Wie oben erwähnt, sind zusätzlich regelmäßige sportliche Aktivitäten sowie oft auch eine Familien-/Verhaltenstherapie unverzichtbar, um das Gewicht zu reduzieren und dauerhaft im gesunden Bereich zu halten. 

Obst und Gemüse

Für Jugendliche gelten die gleichen Mengen wie für Erwachsene (eine Portion = ca. 150 g), bei Kindern ist die Menge geringer – ungefähr das, was das Kind mit einer Hand aufnehmen kann.

  • Täglich sollten mindestens 3 Portionen Gemüse und 2 Portionen Obst Teil des Ernährungsplans sein.
  • Gern darf die Hälfte des Tellers von Gemüse bedeckt sein (mindestens aber 1 Drittel).
  • Beim Mittagessen sollten immer Obst und/oder Gemüse enthalten sein.
  • Geben Sie Ihren Kindern Obst oder Gemüse als Zwischenmahlzeit mit in den Kindergarten oder in die Schule.

Vollkornprodukte und Vollkornbrot

Vollkornprodukte enthalten Ballaststoffe, die für ein besseres und längeres Sättigungsgefühl sorgen. Ballaststoffe wirken sich außerdem positiv auf die Verdauung aus.

  • Entscheiden Sie sich für Vollkornbrot/-brötchen, insbesondere ballaststoffreiches Brot ist sinnvoll.
  • Wählen Sie auch bei Knäckebrot Vollkornprodukte. Lesen Sie die entsprechenden Zutatenangaben.
  • Achten Sie bei Müsli und Frühstücksflocken darauf, dass Ihr Kind Vollkornprodukte zu sich nimmt, die möglichst ohne Zuckerzusatz sind. Lesen Sie die entsprechenden Zutatenangaben. Verwenden Sie keinen zusätzlichen Zucker.
  • Bereiten Sie Haferbrei mit Wasser oder fettarmer Milch zu. Brei kann eine gute Alternative zu Brot sein.

Entscheiden Sie sich für fettarme Milchprodukte

Milchprodukte erhöhen den Anteil gesättigter Fettsäuren in der Ernährung. Indem Sie fettarme Milchprodukte verwenden, werden die Aufnahme gesättigter Fettsäuren und die Kalorienzufuhr gesenkt. Vollmilchprodukte schmecken oft etwas anders als die fettarmen Varianten, das ist aber reine Gewöhnungssache.

  • Wenn möglich, wählen Sie fettarme Milch statt Vollmilch.
  • Entscheiden Sie sich zudem für fettarme Käsesorten. Auch bei schnittfesten Käsesorten, Streichkäse und Frischkäse gibt es fettreduzierte Varianten.
  • Wählen Sie fettarmen Joghurt statt der normalen oder Sahnejoghurtvariante (achten Sie auf den Zuckergehalt).
  • Entscheiden Sie sich für Magerquark, Naturjoghurt, saure Sahne und fettreduzierte Crème fraîche statt des fettreicheren Schmands oder normaler Crème fraîche.
  • Entscheiden Sie sich für pflanzliche fettarme Streichmargarine ohne gehärtete Fette oder für Pflanzenöl statt harter Margarine oder Butter.
  • Streichen Sie eine dünne Schicht solcher fettarmen Margarine aufs Brot, lassen Sie diese Schicht bei streichbarem Belag aber weg.
  • Schränken Sie den Verzehr von Mayonnaise und mayonnaisehaltiger Salate wie Krabbensalat, Kartoffelsalat usw. ein.
  • Verzichten Sie auf fertige Dressings und Dressings auf Grundlage von Crème fraîche, Schmand, Sahne oder Mayonnaise und entscheiden Sie sich stattdessen für leichte Dressings, die Sie selbst zu Hause aus Quark, Naturjoghurt oder fettarmer saurer Sahne mit Salz, Pfeffer, Kräutern oder Knoblauch zubereiten.
  • Dicken Sie Saucen statt mit Butter mit wenig Mehl an.
  • Bereiten Sie leichte Saucen aus fettarmer oder fettfreier Milch zu, auch Gemüsebrühe ist eine gute Alternative. Servieren Sie zu Fisch lieber leichte weiße Saucen als geschmolzene Butter.

Entscheiden Sie sich für fettarme Fleischwaren

Würste und Fleischwaren sind sehr kalorienreich und enthalten einen hohen Anteil an gesättigten Fettsäuren. Daher sollten sie nur eingeschränkt verzehrt werden.

  • Wählen Sie helles Fleisch, unverarbeitetes Fleisch und magere Fleischprodukte mit wenig Salz. Begrenzen Sie die Menge an verarbeiteten Fleischprodukten wie geräucherten, gepökelten oder mit Nitrat oder Nitrit konservierten Fleischprodukten wie Speck oder Wurst. Wählen Sie statt normalem oder fettem Hackfleisch mageres Rinderhack, Schweinehack oder Geflügelhack und Geflügelwurst statt normaler Brüh- oder Bratwurst.
  • Schneiden Sie sichtbares Fett ab und entfernen Sie die Haut von gebratenem oder gegrilltem Geflügel.
  • Entscheiden Sie sich für mageren Aufschnitt und Aufstrich, z. B. Kochschinken, Putenbrust, Hähnchenbrust, Geflügelwurst und fettarme Leberwurst.

Bieten Sie öfter Fisch an

Alle Fischsorten – ob fettarmer, halbfetter oder fetter Fisch – sind zu empfehlen, am besten mehrmals pro Woche, da Fisch einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren enthält.

  • Entscheiden Sie sich bei Fisch für Produkte mit anerkannt nachhaltiger Herkunft.
  • Fettreicher Fisch fördert die Gesundheit des Herz-Kreislauf-Systems und vermindert das Risiko für Schlaganfälle.
  • Fischerzeugnisse wie Fischfrikadellen, marinierter Fisch usw. sind eine gute Alternative.
  • Fischstäbchen und panierte Fischgerichte sollten dagegen nur eingeschränkt auf den Tisch kommen und ohne Fett im Backofen zubereitet werden.

Die richtigen Getränke

  • Bieten Sie Wasser zwischen den Mahlzeiten, zum Abendessen und zum Durstlöschen an.
  • Ideale Durstlöscher und Flüssigkeitslieferanten sind außerdem ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees. Saftschorlen mit 3 Teilen Wasser und 1 Teil Saft sind ebenfalls als Flüssigkeitslieferanten geeignet.
  • Geben Sie Ihrem Kind möglichst keine zuckerhaltigen Getränke (Limonade, bestimmte Säfte, Trinkjoghurt, Kakao, Eistee, Tee mit Zucker).
  • Kalorienfreie oder kalorienreduzierte Lightgetränke enthalten weitere Lebensmittelzusatzstoffe wie Süß-, Farb- und Aromastoffe und sind daher weniger empfehlenswert. Kleinkinder sollten keine Getränke oder andere Nahrungsmittel mit Süßstoffen zu sich nehmen und auch bei größeren ist es nicht hilfreich, die Geschmacksrichtung „süß“ durch Süßungsmittel weiter zu unterstützen.

Einschränken

  • Schränken Sie den Verzehr von Kuchen, Keksen, Bonbons, Eis und Snacks stark ein.
  • Wählen Sie Lebensmittel mit wenig Salz und begrenzen Sie die Menge an Salz bei der Essenszubereitung und beim Essen.
    • Verarbeitete Lebensmittel tragen durchschnittlich zu 70–80 Prozent der Salzaufnahme bei. Begrenzen Sie den Verzehr von Fertigprodukten. Wählen Sie Lebensmittel und Fertiggerichte mit geringem Salzgehalt.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen. Das erhöht Ihr Sättigungsempfinden.
  • Essen ist keine Leistung, die besonders hervorgehoben werden sollte. Essen
    ist weder Belohnung noch Bestrafung für Kinder.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien
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