Chagas-Krankheit
Chagas-Krankheit
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Was ist die Chagas-Krankheit?
Definition
Die Chagas-Krankheit wird durch den Parasiten Trypanosoma cruzi verursacht, der von Wanzen übertragen wird. Die Krankheit kommt vor allem in Lateinamerika vor und wird auch als amerikanische Trypanosomiasis bezeichnet. Die Infektion erfolgt oft im Kindesalter. Bei 20–30 % der unbehandelten Patient*innen verläuft die Infektion chronisch. Nach einer symptomfreien Latenzzeit von 10–30 Jahren können Herzerkrankungen, Magen-Darm-Erkrankungen und Erkrankungen des Nervensystems auftreten. Eine durch die Infektion verursachte Herzinsuffizienz kann schließlich zum Tod führen.
Symptome
Die akute Krankheitsphase verläuft bei einem Großteil der Betroffenen ohne Symptome. Die Symptome treten vor allem bei Kindern auf. Die ersten Anzeichen sind pickelähnliche Hautreaktionen mit lokaler Lymphknotenschwellung (sogenanntes Chagom) und finden sich an der Bissstelle in der Haut. Auch eine Bindehautentzündung kann auftreten. Die Lider des betroffenen Auges können geschwollen sein. Zu den späteren Symptomen gehören Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, vergrößerte Leber, vergrößerte Milz, Durchfall und allgemein vergrößerte Lymphknoten. Zusätzlich können Hautausschläge und Wassereinlagerungen im Gewebe (Ödeme) auftreten. Ist der Herzmuskel akut entzündet (Myokarditis), kann dies zu Herzinsuffizienz führen. Bei jüngeren Kindern kann auch eine Hirnhautentzündung auftreten.
Die symptomfreie Latenzphase kann 10–30 Jahre dauern. Die Patient*innen haben während dieser Phase keine Symptome, aber Blutuntersuchungen können die Infektion bestätigen.
Die chronische Phase zeigt sich bei Personen im Alter von 30–40 Jahren oft in der Form von Herzerkrankungen; Betroffene leiden unter Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche, und es bilden sich Blutgerinnsel. Die Erkrankung kann auch den Verdauungstrakt betreffen, was zu Erweiterungen der Speiseröhre und des Dickdarms führen und u. a. Schluckbeschwerden, Aufstoßen und Verstopfung verursachen kann.
Ursachen
Der Parasit Trypanosoma cruzi wird über blutsaugende Insekten (10–30 mm lange Raubwanzen) auf Menschen übertragen. Die Wanzen beißen vorzugsweise in der Nacht. Die Infektion kann auch durch Bluttransfusionen, Organtransplantationen und Mutter-Kind-Übertragung während der Schwangerschaft/Geburt geschehen.
Die Wanzen hinterlassen beim Blutsaugen Kot, der Parasiten enthält. Diese werden durch den Juckreiz in die Haut eingekratzt oder dringen direkt in die Schleimhäute von Augen, Nase und Mund ein. Schließlich gelangen die Parasiten in den Blutkreislauf, worüber sie in verschiedene Zellen eindringen. Am häufigsten kommen Trypanosomen im Herzmuskel (Myokard), in der glatten Muskulatur (z. B. in den Wänden des Magen-Darm-Traktes) und im Zentralnervensystem (Gliazellen) vor.
Die ersten Symptome treten 5–20 Tage nach Übertragung durch Raubwanzen auf. Die Infektion verläuft in mehreren Stadien. Das akute Stadium dauert 4–8 Wochen und verläuft größtenteils ohne Symptome oder bleibt unbemerkt, da die Symptome denen typischer Krankheiten ähneln: Fieber, geschwollene Lymphknoten, Muskelschmerzen. Etwa 15–40 % der infizierten Patient*innen entwickeln bis zu 30 Jahre nach der Ansteckung eine chronische Form der Krankheit, häufig als Herzerkrankung.
Ein erhöhtes Risiko für eine Infektion besteht bei Armut, unzureichenden Hygienestandards und Immunschwäche.
Häufigkeit
Die Chagas-Krankheit ist in 21 lateinamerikanischen Ländern verbreitet. Die Häufigkeit ist in den letzten 20 Jahren deutlich zurückgegangen. Schätzungen zufolge sind weltweit etwa 6–7 Millionen Menschen mit dem Parasiten infiziert. Jährlich sterben ca. 10.000–45.000 Menschen an der Chagas-Krankheit mit Herzbeteiligung.
Aufgrund der zunehmenden Mobilität in der Weltbevölkerung wird vermutet, dass mehr als 300.000 infizierte Personen außerhalb der ursprünglichen Verbreitungsgebiete leben, vor allem in den USA und in Europa. Die Krankheit tritt in Deutschland selten auf und kommt nur bei Tourist*innen und Einwanderern aus den Verbreitungsgebieten vor.
Untersuchungen
- Der Verdacht auf die Erkrankung ergibt sich durch die vorhandenen Symptome. Viele Betroffene haben jedoch keine Symptome, weshalb die Erkrankung oftmals nicht diagnostiziert wird.
- In der akuten Phase kann der Parasit direkt im Blut nachgewiesen werden.
- Später können Antikörper-Tests zeigen, ob eine Infektion vorliegt oder nicht.
- Alternativ kann der Erreger mittels PCR-Test nachgewiesen werden.
Behandlung
- Es gibt zwei Medikamente (Nifurtimox und Benznidazol), die in der akuten Phase wirksam sind. Beide Medikamente sind in Deutschland nicht zugelassen und haben starke Nebenwirkungen.
- Die medikamentöse Behandlung kann auch nach der akuten Phase wirksam sein, wenn die Krankheit noch nicht zu weit fortgeschritten ist. Daher werden alle Patient*innen behandelt, die akut erkrankt oder jünger als 18 Jahre sind.
- Die Medikamente dürfen nicht während einer Schwangerschaft angewendet werden, daher sollte eine sichere Verhütung praktiziert werden.
- In der chronischen Phase steht die Behandlung der Herzerkrankung im Vordergrund.
Autorin
- Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden
Quellen
Literatur
Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Chagas-Krankheit. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.
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