Brustentzündung (Mastitis)

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Was ist eine Brustentzündung (Mastitis)?

Definition

Eine Mastitis ist eine bakteriell oder nicht-bakteriell bedingte Entzündung der Brust bei stillenden Frauen. Dieses Krankheitsbild beginnt am häufigsten 2–4 Wochen nach Stillbeginn. Die Entzündung kann innerhalb oder außerhalb des Drüsensystems auftreten. Bleibt die Mastitis mehrere Tage lang unbehandelt, kann sich ein Brustgeschwür (Abszess) bilden. Dabei sammelt sich Eiter in einem Hohlraum an.

Symptome

Zu den häufigsten Symptomen einer Brustentzündung zählen Milchstau, bei dem die Milch die Brust nicht durchfließen kann, sowie Brustschmerzen. Die Brust fühlt sich hart und heiß an, ist rot und geschwollen. Zudem kommt es häufig zu Fieber, Schüttelfrost, Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Eine Brustdrüsenentzündung (Abszess) tritt in der Regel einige Tage nach einer unbehandelten Mastitis auf. Dabei entstehen zusätzliche auf Druck schmerzende Schwellungen. Bei alleinigem Milchstau ist die Symptomatik deutlich geringer ausgeprägt als bei der Mastitis, und Allgemeinsymptome wie Fieber oder reduzierter Allgemeinzustand fehlen oft.

Ursachen

Die Brustentzündung entwickelt sich häufig in mehreren Stufen. Zunächst verstopfen die Milchgänge, und die Brust wird nicht ausreichend entleert. Wird Milch ins Brustgewebe gedrückt, kann dies eine schmerzhafte Entzündungsreaktion hervorrufen, da sich in der nicht entleerten Milch Bakterien vermehren können. Die Bakterien dringen durch Hautrisse um die Brustwarzen und/oder aus dem Mund des Säuglings in die Brust ein.

Zu den Risikofaktoren für eine Brustentzündung zählen verstärkter Milchfluss, Milchstau, verstopfte Milchgänge sowie Wunden und rissige Brustwarzen. Eine falsche Stilltechnik erhöht die Gefahr für wunde Brustwarzen. Zu weiteren Risikofaktoren für eine Brustentzündung zählen ein geschwächter Allgemeinzustand, Brustentzündungen nach früheren Schwangerschaften, Stress, Schlafmangel, mangelnde Hygiene sowie Narben und Implantate in der Brust. Auch ein geschwächtes/unterdrücktes Immunsystem aufgrund von Erkrankungen oder Medikamenten erhöht das Risiko. Erstgebärende haben ebenfalls ein höheres Risiko, an Mastitis zu erkranken.

Häufigkeit

Es gibt keine genaue Daten zur Häufigkeit einer Brustentzündung. Die in der Literatur angegebenen Zahlen variieren zwischen 2 % und 50 %.

Untersuchungen

  • Die Diagnose Brustentzündung (Mastitis) wird anhand der typischen Umstände und Symptome gestellt.
  • Die Brust wird gründlich auf Schwellungen, Empfindlichkeit, Wärme und Rötung der Haut untersucht.
  • Es kann zu eitriger Sekretion aus der Brust kommen.
  • Auch Schmerzen und vergrößerte Lymphknoten in den Achselhöhlen sprechen für eine Mastitis.
  • Wunden oder Risse an den Brustwarzen deuten darauf hin, dass es sich um eine bakterielle Infektion handelt.
  • Zusätzlich kann eine mikrobiologische Untersuchung von Blut oder Milch durchgeführt werden.
  • Zur Abklärung eines Abszesses kann eine Ultraschalluntersuchung sinnvoll sein.

Behandlung

  • Ziel der Therapie ist es, die Beschwerden zu lindern, die Infektion zu eliminieren und so die Abszessbildung zu vermeiden.

Nichtmedikamentöse Maßnahmen

  • Eine effektive Brustentleerung ist für die Behandlung einer Brustentzündung (Mastitis) unerlässlich.
    • Sie kann innerhalb der ersten 24 Stunden als alleinige Maßnahme versucht werden, sofern kein stark beeinträchtigter Allgemeinzustand und hohes Fieber vorliegen.
    • Bei zügigem Rückgang der Symptome ist eine Antibiotikabehandlung nicht notwendig.
  • Das Stillen kann bei einer Brustentzündung meist auch während einer Antibiotikatherapie fortgesetzt werden. Eine eventuelle Stillpause wird individuell entschieden und bei einer Infektion mit bestimmten Bakterien oder bei manchen Antibiotika notwendig. Ist ein Stillen nicht möglich, soll die Brust mithilfe einer Milchpumpe entleert werden.
  • Wärme, z. B. eine heiße Dusche, kann die Schmerzen lindern und fördert die Milchaustreibung.
  • Bei einer Schwellung und nach dem Stillen kann eine Eispackung Linderung verschaffen.
    • Eisbeutel sollten nicht unmittelbar vor dem Stillen angewendet werden, da sie die Milchaustreibung hemmen. 

Medikamentöse Maßnahmen

  • Starke Schmerzen reduzieren die Milchaustreibung. Paracetamol oder Ibuprofen können unbedenklich zur Schmerzlinderung nach Bedarf eingesetzt werden.
  • Bei Rissen oder Wunden an den Brustwarzen können Salben (z. B. Lanolin) die Wundheilung fördern.
  • Zeigt die Brustentleerung nach mehr als 12–24 Stunden keine Auswirkungen, wird die Erkrankung mit Antibiotika behandelt. Davor wird mikrobiologisch untersucht, welche Bakterien der Infektion zugrunde liegen.
  • Es ist wichtig, die Behandlung über die gesamte Zeit durchzuführen, da es ansonsten zu einem Wiederaufflammen der Entzündungsreaktion kommen kann. Sie dauert für gewöhnlich mindestens 10 Tage.
  • Liegt eine Eiteransammlung (Abszess) in der Brust vor, muss der Eiter mithilfe einer Drainage abgeleitet werden. Dabei wird der eitrige Abszess mit einem dünnen Schlauch entleert. In vielen Kliniken erfolgt dies mithilfe von Ultraschall in Lokalanästhesie.
  • Bei wiederholten erfolglosen Punktionen, ausgedehnten Abszessen oder ungünstiger Lokalisation kann eine chirurgische Abszessspaltung notwendig werden. Dabei wird der Eiterherd in einer kleinen Operation aufgeschnitten, damit der Eiter abfließen kann.

Autor

  • Markus Plank, MSc BSc, Medizin- und Wissenschaftsjournalist, Wien

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Mastitis puerperalis. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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  3. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: ICD-10-GM Version 2024. Stand 15.09.2023; letzter Zugriff 12.04.2024. www.bfarm.de
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