Achillessehnenriss

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Was ist ein Achillessehnenriss?

Definition

Dies ist eine Erkrankung mit einem vollständigen oder teilweisen Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur). Die Achillessehne ist die Hauptsehne der hinteren Unterschenkelmuskulatur. Unmittelbar über der Ferse ist sie deutlich zu sehen, sie setzt direkt am Fersenbein an. Bei Kontraktion der Wadenmuskulatur und Achillessehne wird die Fußsohle nach unten gebeugt, so kann man sich auch auf die Zehen stellen.

Symptome

Die Krankengeschichte ist typisch. Plötzlich setzen starke Schmerzen in der Wade ein, und viele berichten von einem Knall, der zu hören ist, wenn die Sehne reißt. Die Betroffenen haben das Empfinden, dass ihnen in die Ferse getreten wurde.

Manchmal ist ein Bluterguss zu sehen. Wenn die Sehne vollständig durchtrennt ist, kann man dort, wo die Sehne normalerweise verläuft, eine Delle spüren. Die Betroffenen können nur humpelnd laufen und nicht auf den Zehen stehen.

Ursachen

Ein Achillessehnenriss tritt in über 80 % der Fälle bei sportlichen Aktivitäten auf, vor allem bei explosiven Sportarten wie American Football, Tennis, Handball oder Basketball mit schnellen Richtungswechseln.

Häufig ist die betroffene Sehne degenerativ vorgeschädigt. Eine schwer degenerativ veränderte Sehne kann bereits beim Laufen auf ebener Fläche ohne erkennbaren Verletzungsmechanismus reißen. Eine weitgehend intakte Sehne reißt erst bei massiver Zugkraft, z. B. beim Abrutschen von einer Treppe.

Der Achillessehnenriss befindet sich in 90 % der Fälle in der Sehnenmitte. Dieser Bereich der Achillessehne wird nur wenig mit Blut versorgt, was die Sehne anfällig für Irritationen, Abnutzung (Degeneration) und Risse macht.

Risikofaktoren

Einige Medikamente, wie z. B. Kortison und bestimmte Antibiotika (Fluorchinolone), können die Sehne schwächen und somit das Risiko für einen Riss erhöhen. Andere Faktoren, die einen Riss der Achillessehne begünstigen, sind verringerte Kraft bzw. Flexibilität in Muskeln und Sehne, höheres Alter, bestimmte Sportarten, Überlastung oder plötzliche Änderung der Trainingsform, der Intensität oder des Aktivitätsniveaus. Auch frühere Probleme mit der Achillessehne machen einen Achillessehnenriss wahrscheinlicher.

Häufigkeit

Achillessehnenrisse treten pro Jahr bei 55 von 100.000 Männern und 15 von 100.000 Frauen auf. Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt bei ca. 40 Jahren.

Untersuchungen

  • Bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss werden Sie an eine orthopädische oder unfallchirurgische Praxis überwiesen.
  • Die Diagnose wird normalerweise auf Grundlage der Krankengeschichte und Befunde bei der ärztlichen Untersuchung gestellt.
  • Bei einer vollständig durchtrennten Achillessehne bestehen selten Zweifel an der Diagnose. Bei einem teilweisen Sehnenabriss kann es jedoch schwieriger sein, die Diagnose zu stellen.
  • Um die Diagnose zu sichern, kann eine Röntgenuntersuchung, Ultraschall oder Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt werden.

Behandlung

Akutbehandlung

  • Im Akutfall, wenn die Verletzung gerade geschehen ist, sollten generelle Regeln der Ersten Hilfe nach dem sog. PECH-Schema (Pause, Eis, Kompression, Hochlegen) befolgt werden.
  • Der verletzte Muskel sollte für mindestens 20 Minuten mit einem Eisbeutel oder Ähnlichem gekühlt werden. Die Gefahr von Erfrierungen bei zu langer und zu kalter Behandlung sollte beachtet werden.
  • Nach dem Abkühlen sollte ein fester Verband gelegt werden, um auf die verletzte Stelle Druck auszuüben und sie zu stützen.
  • Zur Schmerzlinderung können Sie kurzfristig Schmerzmittel (NSAR) einnehmen.

Konservative Behandlung

  • Besonders bei älteren Menschen, bei geringer sportlicher Aktivität und bei Vorerkrankungen wird die konservative Therapie einer Operation vorgezogen.
  • In solchen Fällen wird der Fuß in Spitzfußstellung fixiert und ein orthopädischer Stiefel (Walker) angelegt. In der Regel wächst die Sehne von selbst wieder zusammen.
  • Die Belastung richtet sich zunächst nach den Beschwerden. Allmählich können physiotherapeutische Übungen durchgeführt werden.
  • Nach 8 Wochen kann der Walker in Innenräumen abgelegt werden, nach 10–12 Wochen wird der Walker vollständig entfernt.
  • In der Regel können Sie nach 4–5 Monaten zur sportlichen Aktivität zurückkehren.
  • Bei einer konservativen Behandlung treten weniger Komplikationen auf, als bei einer Operation. Das Risiko für einen erneuten Achillessehnenriss ist jedoch etwas höher.

Operative Therapie 

  • Insbesondere bei jüngeren und körperlich aktiven Patient*innen (Sportler*innen) wird bei einem Achillessehnenriss ein chirurgischer Eingriff empfohlen. Dabei wird die gerissene Sehne wieder zusammengenäht.
  • Es gibt verschiedene Operationsmethoden, doch sie bedeuten in der Regel ein Zusammennähen der Sehnenenden, mit oder ohne Verstärkung der Sehne.
  • Die Nachbehandlung erfolgt wie bei der konservativen Behandlung (s. o.).
  • Bei einer Operation der Achillessehne kann es zu Komplikationen (z. B. Infektionen, Hautprobleme) kommen. Diese treten bei einem minimalinvasiven Eingriff seltener auf.

Autorin

  • Martina Bujard, Wissenschaftsjournalistin, Wiesbaden

Quellen

Literatur

Dieser Artikel basiert auf dem Fachartikel Achillessehnenruptur. Nachfolgend finden Sie die Literaturliste aus diesem Dokument.

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